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Im deutschen Reich · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. 385

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Article
[Ohne Titel]
Date
1920-12-01
Page
385 (sequence 8)
Language
German
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Jüdische Rundschau 385 kultureller und gemeinnütziger Institutionen für jüdische "Zwecke unterhalten. In Deutschland und in Oesterreich-Ungürn existierten längst'fünf Hochschulen für die Wissenschaft des Judentums, an denen Forscher von Weltruf lehrten, der Schulbetrieb war nach Muster der Universitäten eingerichtet, neuerdings schreitet man in Deutschland zur Gründung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Außerdem existierte eine ganze Anzahl Lehrerbildungsanstalten mit Oeffentlichkeitsrecht. Viele jüdische Gemeinden unterhielten eigene Volks- und Mittelschulen — abgesehen von speziellen Religionsschulen —, Waisenhäuser und ähnliche Erziehungsanstalten. Jeder dieser Gemeinden bljeb es unverwehrt, so viele derartige Anstalten zu eröffnen, als sie für nötig hielt. Durchführbar war das nur in geringem Maße, nämlich dort, wo die jüdische Bevölkerung in größerer Anzahl dicht 'beisammenwohnt und eine Schulgemeinde bilden kann, — sonst hindern schon die großen Entfernungen allein, die jüdischen Kinder in einem Schulhause zusammenzuführen. — Wie ein schlechter Spaß klingt es, wenn uns versichert wird, die nationale Autonomie werde den Juden eigene Museen, Bibliotheken und Theater gewähren. Die großen jüdischen Gemeinden besitzen längst hervorragende Bibliotheken uni Sammlungen jüdischer Kunstgegenstänoe. In Städten mit zahlreicher jüdischer Bevölkerung, deren Umgangssprache' das „Jiddische" ist, bestehen seit Jahrzehnten eigene jüdische Schaubühnen, die für die Befriedigung. volkstümliche ästhetischen Bedürfnisse mitunter Ausgezeichnetes leisten. Am stärksten ist das jiddische Theaterwesenj in New Dork entwickelt, obwohl dort von keiner Nationalautonomie die Rede ist. Was wäre also das Neue, das die Nationalautonomie den Juden brächte? Es könnte sich allenfalls darum handeln, daß der Staat alle diese spezifisch jüdischen Institutionen aus öffentlichen Mitteln subventionierte. Das ist eine Forderung, die sich hören läßt, allein sie ist rein finanztechnischer Natur und bedarf zu ihrer Begründung nicht erst der nationalen Autonomie. ’ In Frankreich bestritt der Staat (bis zur Trennung von der Kirche) die Kosten des jüdischen Kultus in demselben Verhältnis wie des christlichen. Das gilt auch für einige -deutsche Staaten und für Ungarn, wo die Landesrabbinerschule und Präparandie, auch einige Jeschiboth vom Staat namhafte' Subventionen erhielten. Auch in Galizien brachten die StadLgemeinden einen großen Teil der Lasten der jüdischen Wohlfahrtspflege und Schulverwaltung auf. Vielfach war eine derartige Subvention überflüssig oder gar unerwünscht, da sich der Staat damit ein Einmischungsrecht in innere, rein geistige jüdische Angelegenheiten Vorbehalten hatte; es wäre unvermeidlich, daß er die ihm jeweils angenehme Richtung gefördert, die andere unterdrückt hätte. Die Bestrebungen unserer Zeit gehen dahin, den „Racker von Staat", wie Bismarck sich einmal ausdrückte, von allen sublimeren geistigen Sphären möglichst < fernzuhalten und ihn auf das rein Politische und Administrative zu verweisen, wo er sich^nützlich betätigen kann. Die größten Schwierigkeiten bietet jedoch folgender.Umstand: an welchen Merkmalen soll der Staat einen Bürger erkennen, daß er zur jüdischen Nationalität gehöre und in diese politische Körperschaft eingereiht werden müsse? An der Sprache? An dem Territorium, aus dem er wohnt? An der Abstammung? Die Juden im alten Oesterreich z., B. wohnten zerstreut unter allen acht Nationalitäten des Reiches und redeten ihre Sprachen; es gibt Tschechen, deren Väter Deutsche waren, und umgekehrt; es gibt Ukrainer, deren Väter Polen waren, und umgekehrt. Allerdings sprachen die Juden in den östlichen Teilen des ehemaligen Kaiserstaates'das sog. „Jiddisch", allein dieses ist im wesentlichen ein mittelhochdeutscher Dialekt, verhält sich zum Hochdeutschen gleich wie das „Weanersche",> Steierische, Bayerische, Berlinische, Ostpreußische, die ja ebenfalls

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