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Im deutschen Reich · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. 381

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Article
[Ohne Titel]
Date
1920-12-01
Page
381 (sequence 4)
Language
German
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Jüdische Rundschau 381 Me BelxeiBtefte und gefährlichste Waffe im NationaliLätenkampfe Awischen Deutschen, Slawen und Romanen. Oft und oft wurden. ganze Stände der gegnerischen Nationalität in weitem Umkreise an dew Bettelstab gebracht und zum Lande hinausgedrängt, ohne daß die Staatsgewalt einschrei ten konnte, weil das Gesetz nicht überschritten wurden Wenn die Mehrheit es z. B. peinlich vermeidet, zu sagen: „Kauft nicht bei Juden!", sondern das Schlagwort ausgibt: „Wer fein Volk liebt, macht seine Einkäufe bei Volksgenoffen!",' „Wem die Zukunft seines Volkes am Herzen liegt, der kauft bei folgenden, Geschäftsleuten, läßt bei folgenden Handwerkern arbeiten, konsultiert folgende Aerzte und läßt seine Prozesse durch folgende Rechtsanwälte sichren." Gegen diese Form der Propaganda sind alle staatlichen und internationalen Mächte vollständig kraftlos. Wie soll uns der Völkerbund gegen sie schützen? Noch viel schwieriger durchzuführen wird die letzte und höchste Ausgabe des Völkerbundes sein, nämlich uns vor der Assimilation zu schützen, mittels Nationalautonomis zn verhindern, daß di«",-fremdnationale Kultur" unserer Umwelt uns nicht aufsauge und vernichte. Wenn dieses vielgehetzte Wort Assimilation einen Sinn hat, so kann es nur der sein, daß wir Juden die Sprache unserer „srewdnaLionalen" Umgebung uns aneignen und durch dieses Medium Kunst, Poesie, Philosophie, Wissenschaft, Literatur, Wirtschaftsgesinnung, kurz, den ganzen Inhalt des „fremdnationalen" Geisteslebens in uns aufrrehmen und . auf unsere eigene Art verarbeiten, wohl auch auf dieses Geistesleben zurückwirken; wir werden von der „fremdnationalen" Geistesart beeinflußt, eignen uns Landessitte und Landesbrauch an. Wie soll nun der Völkerbund mittels der Nationalautonomie das alles verhindern? Wo soll er den Stoff hernehmen für. die undurchdringlichen Wände, mit denen er uns von unserer Umwelt so gründlich scheiden soll, daß ihre Musik, ihre Poesie, ihre Sprache, ihre Wissenschaft und Philosophie, ihr ganzes' Geistesleben uns nicht mit dem leisesten Hauch berühre, damit sie unsere Eigenart nicht antasten? Nehmen wir an, der Völkerbund brächte es fertig, uns in ein Ghetto zu sperren, von der Außenwelt so hermetisch abgeschlossen, wie bis in das 18. Jahrhundert das Ghetto von Venedig oder von Frankfurt am Main. Würde die „fremdnationale Kultur" die Mauern dieses Ghettos nicht durchdrmgen? Wir wissen', daß die Juden in Italien sich Sprache und Geistesart und bis zu einem sehr hohen Grads sogar die Kultur des Landes ungeeignet haben.; In Deutschland konstatierte im 13. Jahrhundert der Verfasser des Sefer Chasstdim ohne weiteres: Ueberall ist'die Sitte und der Brauch der Juden ähnlich denen der Nichtjuden. Der Kenner jüdischer Sittengeschichte weiß, daß noch heutzutage im Leben des jüdischen Volkes eine ganze Anzahl von Sitten und Bräuchen sortexistieren, die als genuinjüdisch gelten und heiliggehalten werden, obwohl sie im Judentum weder Wurzel noch Analogie haben, sondern dem mittelalterlichen deutschen Volksglauben entnommen sind; nur wurden sie jüdisch umgedeutet,' mit. religiösem Inhalt erfüllt und religiöser Weihe umgeben, .so daß sie mit vollem Recht als Bestandteile der jüdischen Volksseele gelten können, gegen deren von einer seichten Ausklärungssucht geforderten Abschaffung sich breite Schichten des Volkes erhoben, die nicht zu den schlechtesten gehörten. Ja, ist nicht das „Jiddische", welches . von den Nationalisten als Nationalheiligt^m der Judenheit erklärt, zur Nationalsprache der „jiddischen Nation" erhoben! wird, die im Golus, nach! dem Willen einer starken Partei sogar in Palästina, das Hebräische ersetzen soll — ist dieses Jiddische selber nicht ein Produkt der — Assimilation? In seinen ältesten Urkunden gleicht Beachtet die Anzeige: Philo Verlag!

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