Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-12-01
- Page
- 377 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316900-2316911--31623-2358163- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zeükchau S77 geben des jüdische« Stammesgefühls zu bedeuten hat, sollte mau erwarten, daß er nicht so abweisend über die Juden urteilt, die in höchster Not schweben. Sollten wir als Deutsche auch Manchmal mit der Einwanderung nicht recht zufrieden sein, so dürfen wir nicht vergessen, daß wir als Juden ein warmes Herz für diese Gequälten haben müssen. In ein ganz anderes Gebiet hinein spielt eine weitere Veröffentlichung, die in diesen Tagen erschienen ist, und von der wir auch Höffen, daß sie für die jüdische Arbeit eine Bedeutung gewinnt. Es ist auch dieses eine Orientierungsschrift, aber nicht etwa über seelische Vorgänge, sondern über tatsächlich Vorhandenes, aber vielfach Entstelltes und Angefeindetes. Der als Vorkämpfer für die Gerechtigkeit schon so oft bewährte evangelische Theologe an der Berliner Universität, Geheimrat Strack, hat eine Broschüre veröffentlicht, „Jüdische Geheimgesetze?", die das Lügengewebe, das die Judengegner so gerne um das jüdische Schrifttum spinnen, machtvoll zerreißt. Wir wissen, daß mit besonderem Erfolge in neuester Zeit ein Mann vom Schlage eines Arthur Dinier Anschuldigungen sondergleichen gegen das jüdische Schrifttum erhebt, die beinahe restlos geglaubt werden. Sein Roman „Die Sünde wider das Blut", ein durch sinnlichen Anreiz verstärkt wirkendes antisemitisches Pamphlet, gilt als Heiligtum in hunderttausend deutschen Familien. Gegen diese Schmach erhebt Strack seine Stimme und klagt diesen Roman an, „eine Sünde wider die Kunst, wider die Wissenschaft und wider das Vaterland" zu sein. Auch gegen eine Reihe anderer unheilvoller Verdächtigungen spricht er sich unter Beifügung außerordentlich wertvollen Materials aus. Es kann doch um die jüdische Sache nicht so schlecht bestellt sein, wenn auf der einen Seite die Juden selbst ein machtvolles und glutvolles Bekenntnis zum Deutschtum ablegen, und wenn auf der andern Seite Männer, die in der kirchlichen Wissenschaft von erkanntem Rufe sind, Bücher, die gegen die Juden sind, als Sünde wider das Vaterland bezeichnen. Das sollte doch denen, die noch nicht mit Leib und Seele dem Judenhaß verfallen sind, zu denken geben. Und das muß auch uns selbst zu denken geben. Es gibt in der Tat viele Juden, die sich ihren Weg vom Antisemitismus diktieren lassen. Immer ist es ein Beweis der Schwäche, wenn man sich seine Bahn vom Gegner vorschreibtzn läßt. Das haben wir Juden wahrlich nicht nötig. Es ist eine Versündigung an uns selbst, eine Versündigung an unserem Glauben, eine Versündigung an unserer Geschichte und an unserer Kultüraufgabe, wenn wir uns nach unseren Gegnern richten/-Frei und stolz in der Erkenntnis unserer Werte und-unserer Aufgabe als