Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-12-01
- Page
- 376 (sequence 5)
- Language
- German
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376 Im deutschen Reich Deutscher zu werden, wer will über den Wahn derer schelten, die meinen, sie müssen das Deutschtum preisgeben, um ganze Juden zu bleiben!" Oder auf Seite 257 zum gleichen Thema: „Aufgehen ohne Vorbehalt und vollständige Asfimilierung ist doch nur der saubere Ausdruck für die perfide Taufe . . Oder Seite 254: „Wenn Assimilantentum aber heißt, mit geheiligtem Brauche des Vaterhauses brechen, die Erscheinungen jüdischen Geistes und jüdischen Herzens, jüdischen Gemüts und jüdischen Familiensinns aufgeben, wenn es heißt, das eine preisgeben und das andere lassen, nicht weil es das Bessere, sondern weil es das andere ist, so wird jeder dieses Assimilantentum bis in den Grund seiner Seele verabscheuen. Wir wollen als deutsche Juden an deutscher Kultur Mitarbeiten und treu bleiben dem, was wir aus jüdischem Hause, aus jahrhundertelanger, jahrtausendelanger jüdischer Geschichte als berechtigte Eigenart unseres Stammes mitbekommen haben." Oder Seite 252: „Ich fühle mich, trotzdem ich fast ein Menschenalter. in der Bewegung stehe, in meinem Gemüte und in meiner Kultur so eins mit dem deutschen Volke, daß ich mich auch national zu ihm voll und ganz bekenne. Für mich ist das Judentum eine Religions-, eine Stammesgemeinschaft, keine Nation, Ich will nichts anderes als deutschnational sein und mir nicht einreden, daß ich jüdischnational bin oder jüdischnational sein müßte, um das Judentum zu beleben und die Treue zu üben,, die ich ihm gegenüber schuldig bin." Es ist gewiß schön, wenn Altes an weithin sichtbarer Stelle vorgetragen wird. Aber man sollte sich dabei davor hüten, das Alte als Neues auszugeben. Es ist ein Verhängnis, das den Juden wie .den Linksparteien beschiedeu zu sein scheint, daß sie einen einheitlichen Zusammenschluß nicht vertragen können und daß sie statt dessen trotz ihrer kleinen Zahl immer wieder neue Gruppen und Grüppchen bilden. Mühsam geschaffene, vielversprechende Anfänge werden unterhöhlt, und immer weiter entfernt man sich von dem Ziel, dem man zustreben möchte. Man sollte sich auch bei uns endlich einmal daran gewöhnen, zu erkennen, daß über den Wünschen der einzelnen Person die große Sache zu stehen hat. Ihr dient man nicht dadurch, daß man neue Grüppchen bildet, sondern daß man durch Mitarbeit da zu bessern sucht, wo, wie man glaubt, eine Besserung nötig seiN soll. —;; Manches scheint uns auch in dieser Arbeit nicht konsequent durchgeführt zu sein. Nicht einig gehen wir mit dem Verfasser in seiner Auffassung hinsichtlich der Ostjuden. Uns würde man nachsagen, wenn wir . diesen Standpunkt vertreten würden, daß wir dabei zu sehr nach den.Antisemiten schielten! Von jemandem, der mit Recht sagt, daß Bekenntnis zum Deutschtum nicht Auf-