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Im deutschen Reich · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. 375

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1920-12-01
Page
375 (sequence 4)
Language
German
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Ze-i tschau S75 nicht? — geneigt sind, vieles von dem, was der Gegner sagt, zu glauben. So ist es uns Deutschen während des Krieges und nach dem Kriege gegangen, so geht es uns Juden auch heute noch. Wir sind allzu ängstlich geworden, und wir möchten vielfach allzu gerne alles Schlechte, was die Gegner von uns behaupten, ruhig hinnehmen. Die Objektivität dürfen wir. aber auch dann nicht verlieren, wenn es sich um die Beurteilung unseres eigenen Wertes handelt. Wir haben gewiß Fehler, jede Gemeinschaft hat Fehler; es wäre falsch, sie abstreiten zu wollen; aber es wäre nrindestens ebenso falsch, wenn man glauben wollte, daß diese unsere Fehler den Antisemitismus heraufbeschworen hätten. Für uns ist das Wesentliche, daß in einem solchen Zusammenhang und an solcher Stelle die Charakteristik des nationaldeutschen Juden einmal gegeben wird, um den Juden — denn auch sie selbst kennen ja vielfach diesen seelischen Prozeß nicht —, wie auch den Nichtjuden zu zeigen, wie die Entwicklung innerhalb des einzelnen Juden selbst sich vollendet hat. Seelische Analyse liegt nicht jedem Menschen. Der eine denkt und fühlt auch komplizierter als der andere, und sehr viele vermögen gar nicht mehr den Entwicklungsprozeß, der in ihnen-sich vollzogen hat, zu erkennen. Wir Juden, die wir deutsche Juden sind, sind in größerem Maße so, daß wir unsere Seelenanalyse nicht mehr geben können, weil wir nicht wissen, daß in uns ein komplizierter Prozeß sich vollzogen hat. Das aber ist es: Deutschtum und Judentum; die Erkenntnis des einen, das Bekenntnis zum andern, haben sich in uns, aus getrennten Strömen fließend, zu einer gewaltigen Einheit, zu einer Grnheit des Fühlens, zu einer Einheit des Bewußtseins verschmolzen. Wenn der Verfasser jedoch die Dinge so darstellt, als ob er gänzlich neue Entdeckungen gemacht habe, so ist das grundfalsch. Seit Jahrzehnten werden diese Ideen von uns und denen, die uns nahestehen, vertreten. In jener Unzahl von Schriften, angefangen von R. Loewenfelds Schrift „Schutzjuden oder Staatsbürger" aus dem Jahre 1893 bis zu den jüngsten Arbeiten des Eugen Fuchs findet der Verfasfer das, was er als etwas offenbar Neues vortragen will. Ob er wohl diese und ähnliche Schriften gelesen hat, bevor er seine Ausführungen niederschrieb? Ob er nachgelesen hat, wie der Centralverein gegen die Fehler der Parvenüs, gegen die Antisemitenriecherei und -fresserei immer wieder seine warnende Stimme erhoben hat? Wir möchten ihm anraten, einmal in Eugen Fuchs' Buche nachzusehen, das, was etwa auf Seite 227 über den Begriff der Assimilation gesagt wird: „Wenn ein Professor der Ethik an der Berliner Universität lehrt, daß der Jude sich taufen lassen müsse, um ein ganzer

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