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Im deutschen Reich · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. 370

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Article
Wandersturm
Date
1920-12-01
Page
370 (sequence 6)
Language
German
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870 Iw deutschen Reich Haß der Polen zuzöge, wenn eben in den Erwägungen der gegenwärtigen Beherrscher der Welt weniger Politik und mehr Menschlichkeit herrschte. Und unseren Glaubensgenossen in den EntenLeländern würde nach dieser Richtung eine ebenso schöne Aufgabe erblühen, wie es fraglos auch der Aufbau Palästinas ist. Zum zweiten muß sich aber in den Niederlassungsländern des Ostens auch ein allgemeiner Ausgleich zwischen den Landesbewohnern und der jüdischen Bevölkerung schaffen lassen, und man lache nicht über die weltfremden Träumer, die solchen Phantasien nachhängen. Sobald erkannt wird, daß er kommen muß, weil kein anderer Ausweg vorhanden ist, wird der Ernst der Bemühungen und das Bewußtsein, daß es noch größere Schwierigkeiten in der menschlichen Geschichte gegeben hat, die Wege weisen. Vielleicht hat man es bisher verkehrt angefangen. Daß die „nationale Autonomie", die insbesondere von den auswärtigen Freunden der polnischen Juden so stürmisch verlangt worden ist, alles anders als einen Ausgleich der Gegensätze heröeiführen wird, sehen auch verständige NatLonaljuden ein. Der Rabbiner Or. Jampel, ein „Nichtorganisierter Zionist", wie er sich nennt, sagt wörtlich*): „Der Slawe ist in sozialer wie'in religiöser Hinsicht äußerst tolerant, aber wehe, wenn man seine Kreise stört .... Wer die ethnographischen Verhältnisse Polens kennt, der wird den Schreck der Polen ermessen, als sie gewahrten, daß die Juden in nationaler Hinsicht ein Staat im Staate werden sollen.Wenn die Polen nun mit einem Male in schäumender Wut über die Juden hersallen, so wußten wir, auch wenn sie es nicht sagten, daß es lediglich der jüdische Nationalismus ist, der ihren Gram bis zur Siedehitze gesteigert hat. Nun sind die Polen Gönner des Zionismus geworden, um mit seiner Hilfe die jüdisch-nationalen Elemente aus ihrem Lande zu entfernen. Einstweilen müssen Greise und Kinder diese nationalistischen Neckereien mir ihrem Blute bezahlen." Scharf, aber treffend! Bevor man nicht die unglückselige nationale Autonomie begraben haben wird/ unter der sich kein Mensch etwas Rechtes denken kann, die zudem wegen der numerischen Schwache der Juden nie mehr bedeutet als eine kraftlose, aber aufreizende Demonstration, wird sich kein Ausgleich Herstellen lassen. Und hierüber wird um so eher Klarheit herrschen, als in der Tschechei die dort proklamierte „nationale Autonomie" weder den Staat gehindert hat, durch ein hierzu zurechtgemachtes Wahlrecht die Juden um jede Parlamentsvertretung zu bringen, noch auch die Bevölkerung in der Veranstaltung von Pogromen (Prag!) stört. Und ebensowenig ermutigend sind die Erfahrungen in Posen, wo sich die Juden einfach zwischen zwei Stühle gesetzt haben. Von den Deutschen verlassen, von den Polen noch feindseliger, höhnischer und gehässiger behandelt, als wenn sie Deutsche gewesen wären, haben sich die Führer des jüdischen VoWrats" nicht halten können, haben die von ihnen zum Staate im Staate gestempelten *) Jüdischer Wille 1919/20, Seite 137. Die Sperrungen rühren von uns her.

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