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Im deutschen Reich · 1920-11-01 · Heft 11 (November 1920) · p. 348

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 11 (November 1920)
Article
Innere Mission
Date
1920-11-01
Page
348 (sequence 3)
Language
German
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348 Im deutschen Reich Rücksichtslosigkeit und ein Verkennen jener, drohenden Gefahr, die noch immer wie ein Damoklesschwert über unserm Haupte schwebt. Aber was nützt die immer wiederholte Kritik dieser Zustände! Ein ernster Wille, ein fester Entschluß tut not! Lassen wir unsere Kleinen froh miteinander spielen, bis sie hungrig sind, welch eine Labung ist dann ein Apfel und ein Stückchen Brot. Versuchen wir s, ob sie nicht wiederkommen! Die älteren erfreuen sich gemeinsam bei Spiel und Tanz, bei lustigem Geplauder, wie es früher war. — Ob wir der Spinnstuben unserer Großmütter denken, ob wir in einer guten Schilderung des Goethekreises unser Auge über die Einfachheit dieser Großen, Unsterblichen in Weimar schweifen lassen oder ob wir in die Familie Mendelssohn, ins Haus der Gabriele v. Bülow schauen: Gäste kamen und Gäste gingen, aber nirgends ist von Schlagrahm und Mayonnaisen die Rede, mit keinem Federstrich ist solcher Genüsse gedacht. Zu dieser Geselligkeit müssen wir wieder kommen. Der einfachen jüdischen Sitte gemäß wollen wir der deutschen Not bewußt Rechnung tragen; denn sie ist auch unsere Not, .und wer achtlos und gefühllos an ihr vorübergeht, derfühlt nicht deutsch und ist nicht deutsch. Wenn wir uns aber mit Fug und Recht Deutsche — jüdischen Glaubens — nennen, so dürfen wir uns nicht begnügen mit dem Bewußtsein, daß wir samt Eltern und Ahnen in Deutschland geboren sind. Ohne unsere ehrwürdige jüdische Vergangenheit zu. unterschätzen oder zu vergessen, müssen 'wir in der 'deutschen Geschichte unsere Geschichte erkennen, und in den Werken der deutschen Dichter und Denker das Paradies unseres Geistes erblicken. Es gibt gewiß in der jüdischen Jugend sehr strebsame Jünglinge und Mädchen, die sich selbst hohe Lebensziele gesetzt haben. Diese finden auf ihrem Wege reichlich Gelegenheit, sich zu veredeln und veredelnd zu wirken. Aber nicht nur *bie akademische Jugend ist Trägerin der Zukunft. Alle müssen arbeiten und streben; denn „nur der verdient die Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß". In diesem Gedanken muß die ganze Jugend sich einig und glücklich fühlen. , ' Aber allzuviele stehen abseits mit ihrer Teilnahme und ihrem Interesse, wenn es sich um Bildungsmöglichkeiten handelt. Hinströmen müßte jung und alt zu all den guten Vorträgen und Vorlesungen, die uns reich und auserlesen geboten werden. Und mit warmem Herzen eilen wir doch zu den Meistern der Töne! „Ehrt eure deutschen Meister, dann bannt ihr gute Geister!" Erwachen Sie aus Ihrem Zaubersch.laf zu regem Interesse für die deutsche Kunst! Ihre Erholung und Ihre Freuden suchen Sie doch nur in der Natur, die in ihrer ewigen Schönheit und Reinheit unberührt bleibt von all dew Ungeheuern unserer Zeit und aller Zeiten. Und dieser Einblick in die ideale Auffassung der Kunst und die wachsende Sehnsucht und Liebe zur Natur — die rücken mit Macht dem Materialismus zu Leibe, der ein Feind des wahren, reinen Glückes ist. Hat sich die Jugend daran gewöhnt, in Gottes freier Natur ihre Freuden zu suchen, ihren Wissensdurst zu stillen an den Ur-

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