Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 11 (November 1920)
- Article
- Innere Mission
- Date
- 1920-11-01
- Page
- 349 (sequence 4)
- Language
- German
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Innere Mission 849 guelleu der Natur, ist ihr Interesse geweckt und ihr Sinn belebt für echte, wahre, deutsche Kunst, dann können wir sie getrost ihre Wege ziehen lassen mit dem beruhigenden Gefühl: „Ein edler Mensch in seinem dunklen Drange Ist sich des rechten Weges wohl bewußt." Aber auch wir Mütter müssen uns wohl bewußt sein, daß wir uns zart und innig mit unseren Lebenserfahrungen in die Seele der Jugend versenken müssen. Mit mütterlichem Zartgefühl und wohlwollendem Verständnis müssen wir den Sorgen ihrer Seele zu nahen verstehen, damit sich zu ihrer kindlichen Liebe das unerschütterliche Vertrauen geselle, das wir ehren und wahren wollen mit unserem heiligsten Besitz. — Auch der Vater kann nicht tat. Glorienschein des Patriarchen in unserer Zeit mehr, zeitgemäß auf die erwachsenen Söhne und Töchter einwirken. ' Er muß zum väterlichen Freund herabsteigen, zum vertrauten Führer und Berater, und wenn's nötig, zum Helfer in der Not. Ein solch geklärtes Verhältnis zwischen Eltern und Kindern schließt für beide Teile eine bedauerliche Unsitte nahezu völlig aus: den gewohnheitsmäßigen Besuch von Kaffeehäusern, Varietes und Kinos. Wenn ich mich auch nicht grundsätzlich gegen diese gesuchten Zerstreuungen stellen will, so muß doch zugegeben werden, daß es schade ist um jede Stunde der kostbaren Jugendzeit, die sich in sinnreicher und wertvoller Beschäftigung und in der freien Natur am segensreichsten und stilvollsten auswirkt. Wenden sich auch nach eigenem Geschmack und Feingefühl unsere Kinder ab von diesen allzu -populären Zerstreuungen, dann bleiben sie unbewußt und ungezwungen unserem Herzen und unserer Seele nab. So bleiben sie auch fest umschlungen von dem Band unserer jüdischen Gemeinschaft, das ihnen unveräußerlich gilt, wie es auch unveräußerlich ist. — Ob sie im strengen Glauben eines orthodoxen Elternhauses erwachsen oder ob sie nach eigenem Ermessen das Unermeßliche zu fassen suchen: Liebe zum angestammten Väterglauben und Treue bis in den Tod — das ist das Panier, um das sich alle scharen, gleichviel ob wir in Ruhe und Frieden Recht und Freiheit genießen oder ob die Feinde im§ umtoben. Nicht die getauften Mendelssohns, sondern der fromme jüdische Philosoph Moses Mendelssohn hat feinem Geschlecht Unsterblichkeit verliehen. — Dies Beispiel wiederholt sich immer wieder. Wer seine Kinder taufen läßt, der hat sie für ihr Lebtag zwischen zwei Stühle gesetzt und immer „pour ime Omelette". Als treue Juden sollen sie lernen, sich selbst erkennen und sich selbst befehlen! Mit milderem Maßstab als sich selbst die anderen beurteilen! Aber scharf und rücksichtslos gegen diejenigen, die sich in sträflichem Leichtsinn unabhängig fühlen von jenem großen,* erhabenen Ganzen, dem wir uns gerne unterordnen, oas uns so fest umschließt, unsere jüdische Gemeinschaft inmitten unseres deutschen Vaterlandes. Beachtet die Anzeige: Philo Verlagl