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Im deutschen Reich · 1920-11-01 · Heft 11 (November 1920) · p. 347

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 11 (November 1920)
Article
Innere Mission
Date
1920-11-01
Page
347 (sequence 2)
Language
German
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Innere Mission S47bringen. Es ist die Zeit zu ernst und die Angelegenheit zu wichtig, uls daß ich jetzt die aktuellen Modetorheiten von den Kürassierstiefeln bis zum Krakelschleier alle aufzählen möchte. Aber der Zustimmung weiter Kreise bin ich sicher, werm ich sage, daß das Spazierentragen der neuesten Mode die Frau ihres schönsten, vornehmsten Schmuckes beraubt, der edlen Frauenwürde. „Willst du genau erfahren, was sich ziemt, So frage nur bei edlen Frauen an; - Denn ihnen ist am meisten dran gelegen, Daß alles wohl sich zieme, was geschieht." Erheben wir durch unser Beispiel und unsere Erziehung unsere Töchter zu solchen Gestalten, wie Goethe sie mit diesen Worten zeichnet. Ihr Liebreiz wird im einfachen Rahmen um so klarer und deutlicher hervortreten. Sie werden in ihrer einfachen äußeren Erscheinung sich ihres inneren Wertes bewußt- Sie werden sorgsam bedacht sein, diesen Wert der Persönlichkeit, dex allein von Bestand ist, zu erhöhen, und damit hätten wir eine der schönsten, lohnendsten Arbeiten geleistet, die der jüdischen Allgemeinheit zum Segen würde. Wer diesen Segen recht erkennt, dem wird es gewiß nicht schwer, in feinem fraulichen Takt auch fremder, ja sogar feindlicher Umgebung gegenüber maßvoll und würdig zu erscheinen. Dadurch wird wohl das Wesen unserer Feinde nicht geändert; aber es gibt doch auch gerechte und wohlwollende unter unseren uichtjüdischen Volksgenossen, denen wir gerne Rechnung tragen. Wenn Sie mir nun einwenden, daß unter der nichtjüdischen Bevölkerung auch maßlose Putzsucht und Verschwendung herrschen, so erlaube ich mir auch von diesen Frauen zu sagen, daß-ihnen das Verständnis abgeht gegenüber der Rot unseres Vaterlandes und dem Ernst der Zeit. Außerdem wollen wir nicht übersehen, daß die größten Fehler in nichtjüdischen Kreisen uns insofern zum besten dienen, als sie am deutlichsten zeigen, daß es in all' diesen Fällen um menschliche Schwächen und' weibliche Auswüchse sich handelt, aber nicht um ausschließlich jüdische Eigenart, von der man in solchem Zusammenhang schlechterdings nicht sprechen kann. In engem Zusammenhang mit dem Kleideraufwand steht das sogenannte gesellschaftliche Leben, das unsere Jugend in bedrohlicher Weise in die seichteste materiellste Lebensauffassung hiueindrängt. Gar viele sind's unter unseren jungen Männern und Mädchen, die den Willen und das Verständnis haben für Geselligkeit, die jugendlichen Frohsinn weckt, den Geist anregt und das Gemüt erhebt — und das nenne ich mir Gesellschaft! Wie ganz anders aber sehen Gesellschaften aus, ein trauriges Bild unserer traurigen Zeit! Da wird alles Silber und Kristall Mobil gemacht, kein Stuhl bleibt im HaKse au seinem Platz. Vorräte, die wochenlang ausreichen könnten, werden für einen Abend verkocht, verbraten und verbacken. War dieses Verfahren auch schon in goldener Friedenszeit ein Unsinn, so muß man es heute ein Verbrechen nennen, eine

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