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Im deutschen Reich · 1920-11-01 · Heft 11 (November 1920) · p. 345

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 11 (November 1920)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1920-11-01
Page
345 (sequence 6)
Language
German
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Jüdische Rundschau £45 sich dem Deutschen Reich anzuschließen. Sofort setzten denn nuch die eifrigsten Bestrebungen ein, die Donaumonarchie in der Form einer Donauföderation wieder auferstehen zu lassen, zu der auch das künftige Polen gehören sollte. Das förmliche Anschlußverbot von SL. Germain steht auf einem Fetzen Papier geschrieben. Stärkere Garantien sind nötig, ein festes Band, etwa die wiederhergesteüte Monarchie, die die Welt von der Revolution und der Republik befreit. Man kann aber den großen Massen Revolution und Republik durch nichts so verhaßt machen, wie dadurch, daß man sie als ein Werk der Juden hinsteüt. Die Monarchie dagegen und die Reaktion!sind das spezifisch christlich-nationale Prinzips Rieder also mit den Juden! Hinaus mit den Juden! Die Juden sind an allem schuld. Den Bolschewismus, den Kommunismus, den Terrorismus, alles haben die Juden gemacht. Je mehr man die Juden massakriert und entrechtet, desto stärker wird die überzeugende Kraft dieses Argumentes, desto mehr Liebreiz gewinnt die entgegengesetzte Staatsform in den Augen der christlichen Massen. In Polen und in Ungarn wächst der Abscheu vor der jüdisch-republikanischen Anarchie mit der ewigen Drohung eines jüdischen Bolschewismus. Man sehnt sich immer mehr nach dem rettenden Prinzip, welches geordnete staatliche Verhältnisse wiederherstellen soll. Der Kristallkern ist da, um den herum die künftige Donauföderation sich gruppieren kann. Die Weltgeschichte arbeitet langsam, aber sicher. Die Donauföderation, zusammengehalten von dem monarchischen Prinzip, hält die zwölf Millionen Deutsch-Oesterreicher fest umklammert und hindert sie, sich dem Deutschen Reich anzugliedern und dieses, zum Schrecken Frankreichs und Englands, nur noch stärker werden zu lassen als vor dem Krieg. Das Geschrei von dem „jüdischen" Bolschewismus wurde von den Allpolen schon im August und September 1618 erhoben und als Drohung sogar gegen die Juden in Lemberg ausgestoßen, als diese noch nicht recht wußten, was Bolschewismus war. Alle Pogrome stellten die Polen vor der Welt als einen Kamps gegen den Bolschewismus dar, denn alle Juden — auch die Säuglinge, die Greise und Greisinnen — waren Bolschewisten. In Amerika verbreiteten sie Broschüren in Hunderttausenden von Exemplaren, welche die Pogrome auf diese Weise rechtfertigten. Die Polen fühlten sich als die Vormauer der gesamten Zivilisation gegen den Bolschewismus, verlangten und erhielten von den Amerikanern Anleihen, Munition und Ausrüstung für diesen heiligen Krieg. Und da „Bolschewisten und Juden identisch" waren, so trug dies viel zum Anwachsen des Antisemitismus in Amerika bei. Jetzt ist die Verlegenheit der Polen groß, da sie ohne die Hilfe der Franzosen nahe daran waren, von diesen „Inden" aufs Haupt, geschlagen zu werden. Die „Juden" standen bereits vor den Toren Warschaus . . . Daß der Bolschewismus als jüdisches Erzeugnis ausgegeben wurde, daß die Juden für ihn demonstrativ mit blutigen Pogromen und allerhand miLtelalterlichen Verfolgungen bestraft wurden, das war das stärkste Argument gegen ihn und für die Monarchie, die allein berufen ist, ihn zu überwinden und nebenbei die Basis der künftigen Donauföderation zu bilden, die allein imstande ist, die Entente von dem. Gespenst eines vergrößerten Deutschlands zü befreien. Die Pogrome in Polen und Ungarn haben also einen hohen weltgeschichtlichen Sinn, sie waren sozusagen eine providentielle Notwendigkeit. Wenn die Araber, wie wir gesehen haben, sich beklagen: Warum haben uns die hohen Beamten immerzu äufgestachelt: „Laßt euch nichts' gefallen, geht hin, demonstriert, protestiert gegen die Juden und > Zionisten!", so kommt das bloß daher, daß diese Barbaren sich auf die 'Feinheiten der Diplomatensprache nicht verstehen. Wer wird die Sache so plump anfassen? Biel seiner haben es die Polen und die

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