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Im deutschen Reich · 1920-11-01 · Heft 11 (November 1920) · p. 346

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 11 (November 1920)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1920-11-01
Page
346 (sequence 7)
Language
German
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346 Im deutschen Reich Ungarn angestellt. Als im Jahre 1907 eine jüdische Deputation Sir Edward Grey bewegen wollte, bei der russischen Regierung zu erwirken, den Pogromen Einhalt zu tun, antwortete er lächelnd: „Erbringen Sie mir Beweise, daß die russische Negierung die Pogrome öuftiftet, und ich werde intervenieren.''' Hat die russische Regierung jemals Pogrome angestisLet, seit 1881 bis 1605—6—7? Honuy soit qui mal j pense! . . . Verax. Innere Mission. Aus einem Vortrag der Frau Meta Oppenheimer in der Frauenversammlung der Ortsgruppe Nürnberg. Nicht nur wir Juden, aber auch wir Juden müssen eiugestehen, daß die bösen Jahre, die hinter uns liegen, keine veredelnde Wirkung hinterlassen haben. Wir sind alle hineingerissen im den Strudel, der uns unserer Ideale beraubt, und nur durch Selbsterkenntnis mit aller Kraft und festem Willen können wir uns wieder emporarbeiten zu einer Lebensauffassung, die vor allem die gefahrvollen Schäden der jetzt tief eingerissenen Verflachung erkennt und sie wirksam zu bekämpfen sucht/ Die Toilettenfrage gehört zwar nicht zu den wichtigsten, des Lebens; aber sie gibt in ihrem Verhältnis zu den Frauen und Zum Antisemitismus oft Veranlassung Zu unerquicklichen Auseinandersetzungen, manchmal berechtigterweise und nicht selten auch ungerechtfertigt. Mir kann es nicht darum zu Lun sein, kurzerhand über uns Frauen den Stab zu brechen, sondern wir müssen einen Standpunkt finden, der einerseits dem Ernst der Zeit, andererseits der Individualität der Frau entspricht. Formensinn und Farbenfreude gehören zum Wesen des weiblichen Geschlechts, und die Natur hat nicht nur die weiblichen Menschen, sondern auch die weiblichen Tiere mit dieser leicht erkennbaren Vorliebe ausgestattet. Und alles ist gut wie es aus den Händen der Natur kommt, und alles dient höheren Zwecken. — Damit ist schon angedeutet, daß dieses nur scheinbar rein äußerliche Problem nicht so ganz leicht zu lösen ist. — Dazu kommt die Tatsache, daß wir Frauen ein ästhetischer Anblick sein sollen und sein wollen. Ein weiteres Moment ist die Übertragung^ der Stimmungen auf die Farben unserer Kleider. Wir finden es ganz begreiflich und selbstverständlich, daß Trauernde schwarz gehen. Nichts anderes ist es, wenn lebensfrohe Menschen sich bunt zu kleiden bestrebt sind. Und wie sich Antisemiten zu dieser ToileLLenfrage stellen, darüber brauchen wir uns den Kopf nicht zu zerbrechen: was schlampig und schmutzig war, war bei ihnen von jeher jüdisch, und nach den neuesten Gesichtspunkten schließt der Begriff „jüdisch" alles das für sie ein, was auffallend und protzig, prunksüchtig und putzsüchtig erscheint. Indessen wollen wir uns klar sein, daß es auffallende und aufreizende Toiletten gibt, durch deren Tragen einzelne unter dem Fluch der Verallgemeinerung der jüdischen Allgemeinheit Schaden

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