Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1920-11-01 · Heft 11 (November 1920) · p. 343

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 11 (November 1920)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1920-11-01
Page
343 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316900-2316910--31534-2358053
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdische Rundschau 343 wird, desto weniger wird es Raum geben für dis Juden in Polen ... Die Juden werden hinabgestoßen in die sehr engen Niederungen des Kleinhandels und des kleinen Handwerkers. Wir sehe^r darin nichts Schlimmes, daß der Kleinhandel und das Kleinhandwerk vorderhand bei den Juden bleibe, da jeder Arier und im besonderen jeder Pole einen angeborenen Ekel -vor dem Handel hat. Die Nebernahme auch des Kleinhandels durch die polnische Gesellschaft wird schließlich mittels der KooperatwgenossenschasLen vor sich gehen, die natürlich von der Regierung gefördert und unterstützt werden." - Wir haben hier ein genau ausgearöeitetes Programm, wie die Juden aus dem neuen Polen bis auf den letzten Mann hinausgedrängt werden sollen. Das Programm ist entwickelt und dargelegt von einem der ersten Führer der Entente-Partei unter Berufung aus Lloyd George und Wilson, unter vollständiger Zustimmung zum zionistischen Programm. Das ist eine sehr beachtenswerte Deutung des Wesens des national ho me in Palästina, über welches, wie wir im vorletzten Hefte gesehen haben, die Zionistenführer sich noch immer herumstreiten und von welchem ein hervorragenderbritischer Würdenträger dem Araberscheich gesagt hat: „Ich weiß nicht, was es ist, vielleicht weiß es der liebe Gott." Der allpolnische Freund und Parteigänger von Lloyd George weiß es ebenfalls: es soll eine Art Reservoir sein, um die aus Polen hinauszutreibenden Juden aufzunehmen. Ja, er versichert sogar, daß Lloyd George und Balfour nur zu. dem Zweck das national home errichteten, um die Judenfrage in Polen Zu lösen, nämlich um die Juden dorthinzuschaffen, die man mit Hilfe einer besonderen Wirtschaftspolitik und der Aufrichtung der nationalen hebräischen Kultur in Polen aus dem Lande drängen wird. Das war eine sehr bedeutsame Kundgebung für den Zionismus von maßgebender Seite, und es ist unbegreiflich. daß dis zionistische Presse und die obengedachten „jüdischen" 'Preßdureaus der jüdischen Leserwelt keine Kunde davon gegeben haben, obwohl sie sonst die leiseste Zustimmung zum zionistischen Programm von dem unbedeutendsten Politiker der Entente-Länder mit dem'größten Eifer zu verzeichnen pflegen. Dieses Programm der langsamen unerbittlichen Boykottierung der Juden, um ihnen den Aufenthalt im Lande zu verleiden, ist denn auch mit unerbittlicher Konsequenz von Regierung und Gesellschaft all die zwei Jahre durchgeführt worden. Der Pogrom steht natürlich nicht schwarz auf weiß im "Plan. Die Erfahrung lehrt, daß das überflüssig ist.. Nachdem die Nüpolen fünfzehn oder zwanzig Jahre lang in Büchern und Zeitungen, aus Versammlungen aller Art gepredigt hatten, daß Polen nur glücklich sein kann, wenn es völlig judenrein geworden, daß der Begriff der Befreiung Polens eine Befreiung von der jüdischen Rasse einschließe, nachdem sie im Jahre 1995 bis 1906 in Russisch-Polen offen zu Pogromen aussorderten, wäre es unnatürlich gewesen, wenn keine Pogrome in Polen ausgebrochen wären, als die Allpolen zur Herrschaft gelangten. Sofort nach "Kriegsausbruch, als die russischen Heere Polen und Litauen überfluteten, verbanden sich die Allpolen mit ihnen und veranstalteten größere und kleinere Pogrome. Innerhalb der polnischen Gesellschaft waren sie damals die Minderheit. Ihre Zahl und ihr Einfluß wuchsen in dem Maße, als die Siegosaussichten der Entente im Sommer 1918 stiegen, nach dem Zusammenbruch der Mittelmächte gewannen sie völlig die Oberhand und mit ihnen auch ihre Judenpolitik, die sie kurz zuvor in der obenerwähnten Schrift so klar und lichtvoll dargelegt hatten. Bei den Polen ist der Pogrom etwas künstlich Hineingetragenes, Suggeriertes, weder in ihrer Tradition noch in ihrer Geistesart Begründetes. Seit dem Beginn der russischen Pogrom- Aera, der mit dem "des deutschen Antisemitismus zeitlich zusammenfällt Beachtet die Anzeige: Philo Verlag/

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.