Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 11 (November 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-11-01
- Page
- 339 (sequence 5)
- Language
- German
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Zeiischau 839 Zeitung" einen Roman veröffentlicht „Was das Leben erfüllt", in welchem er als eine Hauptperson einen Dr. Pentha-Tull auftreten läßt. Dieser treffliche Mann läßt sich also zur gleichen Zeit als jüdischen Kronzeugen des Antisemitismus über dem Strich in der „Deutschen Zeitung" verherrlichen, während er unter dem Strich seine literarischen Ergüsse verzapft. Es wäre unsagbar grotesk, wenn es nicht so unsagbar traurig wäre, was sich uns hier darbietet. Schwindel, Betrug, Verlogenheit: alles in einem Augenblick der tiefsten Not des Vaterlandes, alles unter dem Vorwand des Schutzes des Deutschtums. Daß in diese Kategorie der Schwindelmanöver der Gegner auch jenes weitverbreitete Buch „Die Weisen von'Zion" hineingehört, ist von uns bereits des öfteren dargelegt worden und braucht hier nur der Vollständigkeit halber angeführt zu werden. Und doch darf man sich durch diese Feststellungen nicht etwa in den Wahn versetzen lassen, als ob die Gesamtheit der Gegner in dieses Schwindelgetriebe hineingezogen sei. Das sind allerdings vielfach die Stützen oder die Eckpfeiler des Gebäudes; aber die, die sich in ihm bewegen, sehen nicht die Hohlheit der Grundfesten, sondern sie glauben in der Tat, sich in bester Gesellschaft und auf vollkommen sicherer Grundlage zu bewegen. Wie sollte man es sonst für möglich halten, daß sich die breitesten Schichten der nichtjüdischen Jugend mit Leib und Seele dem Antisemitismus verschrieben zu haben scheinen. Erleben wir es doch jetzt, daß bis in die unteren Klassen der höheren Lehranstalten das Gift des Judenhasses hineingespritzt wird. Der Unfug des Hakenkreuztragens greift mächtig um sich. Er wird genährt dadurch, daß die Lehrer und Schulleiter nicht nur nichts tun, um der politischen Unreife ihrer Zöglinge entgegenzuarbeiten, sondern sie in ihrem eingebildeten Glauben zu bestärken suchen. Der bekannte Erlaß des Kultusministers, der das Tragen politischer Abzeichen durch die Schüler verbietet, wird in Hunderten von Fällen von der Schulleitung einfach mit der Begründung abgelehnt, daß das Hakenkreuz kein politisches Abzeichen sei. Was für ein Abzeichen ist es denn? Doch nicht das Vereinszeichen eines harmlosen Vergnügungsklubs? Aus diesem Tohuwabohu von Lügen, Verleumdungen, Kleinbürgerlichkeit, Haß und illeid ist es wirklich schwer, den Weg zu finden. Der Verfasser jenes Romans, der den Namen „Tohuwabohu" führt, und der Zustände aus dem jüdischen Milieu schildert, hat sicherlich nicht den Weg gezeigt, der das Tohuwabohu überwindet. Es ist in diesen Tagen im Anschluß an einen Artikel von Hans Goslar sehr viel über die „jüdische Einheitsfront" geschrieben worden. Was wir das letztemal voraussagten, hat sich bewahrheitet. Ein jeder betrachtet die Front als die