Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 11 (November 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-11-01
- Page
- 340 (sequence 6)
- Language
- German
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840 Im deutschen Reich für alle Juden gegebene, auf der er zurzeit steht. Und so bleibt schließlich jeder allein. Vielleicht wäre es auch 'nicht einmal gut, alle unter einen Hut zusammenzuprefsen, denn gerade die großen Weltanschauungsprobleme werden sich niemals überbrücken lassen. Aber es gäbe doch schließlich Dinge, an die man gemeinsam Herangehen, uni) es gäbe doch schließlich eines, das man vollkommen beiseitelegen könnte: das Mißtrauen und die Verachtung gegenüber politisch und geistig Andersdenkenden. Berlin, den 18. Oktober 1920. K. A. Jüdische Rundschau. In Russisch-Polen herrschte seit Jahren, namentlich seit 19l£, ein gespanntes Verhältnis zwischen Juden und Polen. In Galizien hatte sich eine feindselige Stimmung wahrend des Krieges bemerkbar gemacht. Da wie dort war die Trägerin des Antisemitismus die nationaldemokratische Partei (die Allpolen), deren Führer Paderewsti, Dmowski und Grabski Lieblinge und Vertrauensmänner der Entente waren und die Verständigung mit den Zentralmächten perhorreszierten. Schlichte Menschen, die sich in den Jrrgängen der hohen und höheren Weltpolitik nicht auskennen, zerbrachen sich schon damals den Kopf darüber, wie . es komme, daß Männer wie Wilson, Lloyd George und Clemenceau, die nicht schlafen können, bis das jüdische Volk rncht^ ein eigenes nationales Heim hat, und bis ihm nicht die historischen Rechte auf das Land seiner Väter zuerkannt sind — daß sie solche verbissenen Judenfeinde zu Freunden haben können. Aber die Juden in Osteuropa, besonders in Polen, sagten sich: mögen die Nationaldemokraten und ihre Führer unsere verbissensten, Feinde sein, da sie unter dem Einfluß unserer treuesten Freunde stehen, so können wir ruhig schlafen. Als die Amerikaner im Westen siegreich waren — es war mit Beginn des Hochsommers 1913 — als die Schale sich auf die Seite der Entente zu neigen und der Einfluß der Zentralmachte in Polen zu schwinden begann, kamen vereinzelte Pogrome in Westgalizien vor, die aber jedem Kundigen wie Vorboten schwerer Ereignisse erscheinen mußten. Am 16. November erließ das britische foreign office eine Erklärung, die durch die verschiedenen „jüdischen" Preßbureaus in London, Stockholm, dem Haag usw. veröffentlicht wurde und von der ganzen, namentlich zionistischen, Presse verbreitet wurde unter der Ueberschrift „Warnung an die Polen". Es seien Gerüchte über Pogrome in verschiedenen Städten, sogar in Warschau, nach London gedrungen. „Die Gerüchte über die Pogrome in Warschau sollen geprüft werden. Solche Zwischenfälle können der englischen Negierung nicht gleichgültig sein, denn sie sind eine Ermutigung für die Elemente der Unordnung, welche das Leben jeder Bevölkerung zwischen Wolga und Rhein bedrohen." Hier aber handelte es sich nicht um das Leben jeder Bevölkerung zwischen Wolga und Rhein, sondern, sehr genau umschrieben, um das Leben der jüdischen Bevölkerung in den ehemals österreichischen und russischen Gebieten Polens. „Der eben errungene Ententesieg wird von geringer Bedeutung sein," fährt die Warnung an die Polen fort, „falls die Welt sehen müßte, daß die Herrschaft der eben vernichteten Gewalt in anderer Form wieder eingesetzt wird, die in nicht weniger abstoßendem Gegensatz zu den Prinzipien der Freiheit steht."