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Im deutschen Reich · 1920-11-01 · Heft 11 (November 1920) · p. 332

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 11 (November 1920)
Article
Einheitsfront
Date
1920-11-01
Page
332 (sequence 4)
Language
German
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332 Im deutschen Reich Vertrauen sei auch Gronemann verraten, daß selbst das Nationaljudentum — man denke an die tiefsinnigen Diskussionen jüngster JudenLumsbeglücker und an die blühende Phantasie gestikulierender Agitationsredner — einem lachenden Philosophen vorzüglichen Stoff bieten wird. Aber Spott ist nur dann erträglich, wenn er von der Liebe getragen wird. Echte, gesunde Satire wird den von ihr Betroffenen in das Lachen einstimmen Lassen, weiß er doch, daß ihren Träger nur sorgende Liebe leitet. Die aber fehlt in diesem Buche gänzlich! Keinen Hauch verspüren wir von jener verzeihenden Liebe, die auch in dem Irrenden den Bruder sieht' In diesem Roman regiert der Haß, kalter ungezügelter Haß gegen den Glaubensgenossen. Alles ist beherrscht, von dem Wunsche, dem politischen Gegner etwas anzuhängen und ihn so zu verderben. Man hat mir verschiedentlich, zumal in Kreisen, die Gronemann Wohlwollen, als Entschuldigung gesagt, er sei ein Sklave seines Witzes, und über der Freude an einem guten 'Witze vergesse er völlig seine vielleicht verderbliche Wirkung. Quintilians Wort: „Lieber einen Freund verlieren als einen Witz", mag gewiß psychologisch erklären, wie Gronemann zu solchen wunderlichen und traurigen Verunglimpfungen seiner Brüder kommt, aber wer so wenig weit zu blicken vermag, wer so wenig das Gefühl der Verantwortlichkeit empfindet, sollte doch trotz der glänzenden formellen Begabung lieber die Hände von der Satire lassen. Eine nützliche Waffe ist sie nur für solche Menschen, die neben ihrem Witz und Geist auch Liebe und Verantwortungsgefühl in sich tragen! Grone manns Buch ist ein Attentat auf die jüdische Einheit! Gronemann ist ein anerkannter Führer der deutschen Zionisten, er ist in dieser Eigenschaft bekannt, und so hätte er sich genau überlegen müssen, was er gegen seine jüdischen Brüder schreibt. Es ist nun einmal ein mißlich Ding, wenn der eine Führer zur Einheit aufruft und der andere die „Brüder" zu gleicher. Zeit mit Schmutz bewirft. Als einst in der französischen Kammer die Abschaffung der Todesstrafe zur Besprechng stand, sprach ein Abgeordneter das bekannte-Wort: „Die Herren Mörder mögen damit den Anfang machen!" Wenn Hans Goslar seine an sich durchaus beherzigenswerten Mahnungen pr Einheit in die Welt sendet, so bitten wir ihn, .er möge doch zunächst einmal im eigenen Hause beginnen und dort dafür sorgen, daß nicht mutwillig das kostbare Porzellan von täppischer Hand zerschlagen werde. . Es dürfte nicht so ganz Zufällig sein, daß man heute in nationaljüdischen Kreisen die Einheit des Judentums so sehr betont. Große und schöne Aufgaben wollen gelöst sein, und insbesondere sucht der Zionismus den Ausbau Palästinas, der für die nichtzionistische Judenheit einen gewiß wichtigen Teil, aber immerhin doch nur einen Teil des großen jüdischen Wanderungsproblems ausmacht, zum obersten, wenn, nicht einzigen Gegenstand der Fürsorge zu machen. .Der Erkenntnis, die seitens der Amerikaner deutlich genug ausgesprochen worden ist, daß nämlich ohne die Unterstützung der nichtnationalen Kreise hier nur wenig, ausgerichtet

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