Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 11 (November 1920)
- Article
- Einheitsfront
- Date
- 1920-11-01
- Page
- 330 (sequence 2)
- Language
- German
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WO Im deutschen Reich wtll ein Spiegelbild des gesamten jüdischen Lebens unserer Tage geben, Herr Sarnmy Gronemann befolgt freilich dabei eine sehr eigentümliche Methode, die ihm neidlos überlassen sei, und seinen Roman empfehle ich der nachdenklichen Betrachtung seines Gesinnungsgenossen Hans (Goslar, wenn er für die Einigkeit wirken null. Die literarischen Vorzüge des Romans seien nicht bestritten. Gronemann hat einen glänzenden Witz: zwar einen bitteren und galligen, der von echtem Humor weit entfernt ist, aber er sieht scharf und schildert gut. Gewiß ist das Buch ein Tendenzromän, und gegen das Ende wird der Dialog immer doktrinärer und lederner, zumal für den, der nicht in Leitartikeln der „Jüdischen Rundschau" Perlen der Weisheit und erhabene Offenbarungen sieht. So grell aber auch der Zweck des Buches, die Verherrlichung der alleinseligmachenden nationaljüdischen Idee, hervortritt, jedenfalls kann man nicht leugnen, daß es eine recht kurzweilige und amüsante Lektüre ist. Gronemann ist ein Meister der Situationskomik, und wenn man auch nur zu vieles wie Späße eines Zirkusclowns empfindet, so verrät dieser tolle Wirbel von Bildern des jüdischen Lebens aus Oft und West, die ohne feste Handlung lose ineinandergefügt sind, dennoch, daß eines Künstlers Hand die Fäden zieht, die Puppen tanzen läßt. Gronemann hat einen Tendenzromän geschrieben und er schildert lediglich Typen! Alle seine Personen repräsentieren lediglich bestimmte Kategorien des jüdischen Lebens, deren Moral und Denkweise sie wiedergeben. Das muß man sich vor Augen halten, wenn man die Gefahr seines Buches ermessen will. Alle werden sie beschrieben, der orthodoxe, der liberale Rabbiner, der Westjude und der Ostjude, der Getaufte und der Baldgetauste, der Natjonaljude und der Centralvereinler, der Religiöse und der Sozialist! Sie alle werden gewogen, und fast ausschließlich für zu leicht befunden. Gnade findet neben der Krone der Gattung foomo judaicus, dem überzeugungstreuen Schekelzahler, nur der O st - jj ii b e. Man kann durchaus den großen Wert ostjüdischen Wesens und Handelns verstehen, und diese Blätter haben insbesondere während der Kriegszeit deutlich und energisch den verleumderischen Antisemitismus, der sie in den Schmutz zog, bekämpft. Keiner weiß die Ostiuden mehr zu schätzen als ich, der ich in einer zu 85 Prozent aus Ostjuden bestehenden Gemeinde wirke und tagtäglich ihre Vorzüge vor Augen sehe. Dennoch aber darf man auch nicht gegen ihre Fehler blind sein, und die unbedingte Verherrlichung "alles Ostjüdischen, die unbesehene Anbetung ostjüdischer Meinungen und Taten, die Proklamierung des Oestlichen zum Jdealjüdischen schlechthin droht bei manchen Leuten zu einer Gemütskrankheit auszuarteu, die niemand wehr beklagt als der verständige Ostjude selber. Diese moderne Manie macht nun Gronemann in weitem Maße mit, und von ihr ist sein Buch in erster Reihe beherrscht. Den herrlichen Lichtgestalten, den Zionisten und den Ostjuden, gegenüber sind aber alle alkderenGlaudeu^a 'uossen nur bemirlerdenswerre Masse. Und hier setzt das Bedenkliche ein! Der orthodoxe Rabbiner, 'wie ihn Gronemann schildert, der ganz in den Kleimg-