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Im deutschen Reich · 1920-10-01 · Heft 10 (Oktober 1920) · p. 316

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 10 (Oktober 1920)
Article
Der D. V. J. K. in Vergangenheit und Zukunft
Date
1920-10-01
Page
316 (sequence 4)
Language
German
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BIS Im deutschen Reich Beweggrund dazu haben, der weder durch Krieg noch durch Revolution umgeworfen werden kann. Dieser Grund ist die Religion und nur die Religion. Die Katholiken finden ihn in den Verheißungen, welche ihr Glaube für ein weltadgewandtes Leben verspricht; die Protestanten hören von Jugend auf, daß Entsagung die höchste Tugend ist. Me aber sollen wir unseren jungen Mädchen den gleichen, festen Untergrund geben, ohne der lebensbejahenden Natur unserer. Religion untreu zu werden? Bei der letzten Delegiertenversammlung des D. B. J.K. erklärten einige, und zwar sehr erfahrene Vertreter, unsere Vereine seien überhaupt nicht religiös, sondern gemeinnützig, charitativ, sozial, höchstens noch konfessionell. Wenn dem so ist, dann steht die Existenzberechtigung der jüdischen Schwestern-Vereine auf schwachen Füßen. Die Unterbringung jüdischer Mädchen in der Krankenpflege könnte, und zwar mit wesentlich geringerem Aufwand, durch bedingte Unterstützung solcher Rote-Kreuz- Vereine erreicht werden, welche sich verpflichten, jüdische Bewerberinnen aufzunehmen, die Pflege der jüdischen Kranken vermögen wir sowieso nicht allein zu leisten. Was aber war der wichtigste und ausschlaggebende Grund zur Errichtung jüdischer Schwesternvereine? Der Wunsch, die Wohltaten, welche christliche Schwestern jüdischen Kranken erwiesen haben, in gleicher Weise, d. h. nicht durch Bezahlung, sondern durch aufopferungsvolle Arbeit zu vergelten, ein weichin sichtbares Werk jüdischer Nächstenliebe.zu errichten und so im Sinn unserer Väter die Ehre des jüdischen Namens zu mehren. Wenn die jungen Mädchen in einen jüdischen Verein eintreten, dann wissen sie, daß sie dort dieselbe Umgebung finden wie in ihrer Familie, daß sie niemand ihres Glaubens wegen geringachtet und daß sie alle Vorteile eines jüdischen Hauses vorfinden. Wer aber sagt ihnen, daß sie über die allgemein menschlichen Pflichten hinaus noch besonders für das Judentum haben?Wer lehrt sie, daß kidduschha8ehem,bte£>eütguttg des göttlichen Namens, der Grundstein und Eckpfeiler jeder jüdischen Einrichtung sein muß? Wer sagt unseren Schwestern, daß zwar die Einhaltung der Ritualvorschristen Privatangelegenheit jeder einzelnen ist, daß aber die stete Rücksicht auf das Ansehen des Judentums und die unweigerliche Befolgung seiner Sittenlehre das sind, was den Bestand unserer Vereine verbürgt? Unsere Schülerinnen werden glänzend in der Technik ausgebildet. Und wer unterrichtet sie im Judentum? Wer zeigt ihnen, daß die israelitische Prophetie die Quelle der reinsten, lautersten Sittlichkeit ist, daß die Psalmen seit Jahrtausenden die Hilfe aller Bedrückten sind? Wer sagt den Schwestern, daß nichts so leicht über die Widerwärtigkeiten des Tages hinweghilft als das Bewußtsein, nicht für eine vergängliche, sondern für eine ewige Sache zu arbeiten, wer lehrt sie, daß jede Unannehmlichkeit einer Pflege gering wird, wenn man bedenkt, daß man um Gottes und nicht um der Menschen willen den Kranken dient? Stellen wir die Vereine auf den Boden des jüdischen Glaubens, dann werden sie die Schwierigkeiten der Jetztzeit überwinden! Dann geben wir den Schwestern das, was sie brauchen, inneren Halt und Festigkeit in allen Lagen des Lebens. Die Verbandsvereine müssen sich darüber klar sein, daß nur eine solche Umgestaltung ihrer inneren Grundlagen ihnen über die Fährnisse der heutigen Zustände hinweghelfen kann. Gehaltsverbesserungen, Teuerungszuschüsse und Beschaffungsbeihilfen machen's nicht. Die Schülerinnen müssen von der ersten Stunde ihres Eintritts an, ja schon vor dem Eintritte wissen, daß sie einen ideellen, nicht einen materiellen Beruf ergreifen wollen, sie müssen entschlossen sein, diesen

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