Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-10-01
- Page
- 311 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316900-2316909--31444-2357930- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zeltschau 311 Ende aller Agitation. Sie haben auch zweifellos mit der Propagierung dieses Gedankens die größten Erfolge gehabt, nicht nur bei den Nichtjuden, sondern auch bei den Juden. Von dieser Erkenntnis, daß wir ein Fremdvolk sind, zu der weiteren Behauptung der Antisemiten, daß wir nun auch ein minderwertiges Volk sind, ist nur ein kleiner Schritt. Unsere Gegner wissen das, sie gehen sehr genau diesen Weg. Deshalb schärfste Formulierung unserer Idee: daß wir keine besondere völkische Gemeinschaft dar stellen, sondern daß wir hineingehören in das Volk, mit dem und unter dem wir seit Jahrhunderten leben und arbeiten. Mag das Gegenteil auch noch so oft und noch so deutlich aus den eigenen Reihen wie von anderen Seiten behauptet werden, dadurch wird die Formel von dem Vorhandensein des besonderen jüdischen Volkes nicht richtiger. Gelingt es uns, diese Frage zu klären, so werden wir dem Ziel wesentlich näher gerückt sein! Und noch eine weitere große Hoffnung haben wir: wir haben zwei mächtige Bundesgenossen gewonnen: die Jugend und die Frauen! Vor allem die jüdische Frau hat eine lange Zeit es nicht als ihre Aufgabe angesehen, in diese Dinge einzugreifen. Die Not hat auch sie eines Besseren belehrt. Es ist noch nicht alles hier, wie wir es wünschen möchten, noch stehen gerade unter den jüdischen Frauen weite' Kreise vom Kampfe abseits. Aber der Anfang ist gemacht und wir hoffen, daß das Vorbild tüchtigerund mutigerFrauen auch die andern dazu anspornen wird, uns zurSeite zu stehen. Ueber die Jugend haben wir an dieser Stelle oft genug gesprochen. Wir haben daraus kein Hehl gemacht, daß wir in ihr eine starke und stets stärkere Unterstützung gefunden haben, daß aber dennoch Teile der Jugend aus einer bestimmten Ideologie heraus sich der Notwendigkeit des Kampfes verschließen. Zu dem gesunden Sinne unserer Jugend haben wir das Vertrauen, daß sie sich nicht in ihr eigenes Verderben treiben läßt! Von der Versöhnung w oll l t e n wir sprechen, vom Kampfe mußten wir sprechen! Kampf, wohin wir schauen. Und doch ist der Wunsch zur Versöhnung wohl nie stärker als im lautesten Getümmel des Kampfes. Wenn der Kampf zu Ende geführt wird, dann erwacht die Hoffnung auf die Versöhnung. Auf die Versöhnung, die wir im Interesse unseres Landes, unseres Volkes, unserer jüdischen Gemeinschaft so bitter nötig haben. Weil wir jedoch me Versöhnung wollen, deshalb müssen wir zunächst den Kampf haben. Legen wir die Hände in den