Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-10-01
- Page
- 309 (sequence 4)
- Language
- German
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Zsiychau 809 dann ein neues Reich anzutreten. Dein aber, so sagen die Gegner, muß entgegengetreten werden! Und deshalb soll aus dieser Atmosphäre des Mißtrauens und der Feindschaft die Mauer erzeugt werden, die uns hermetisch von der übrigen Welt abschließt. Wir sollen keinen Anteil mehr haben, so wird es laut und deutlich verkündet, am politischen, am wirtsch aftlichen, am geistigen Leben unseres Volkes und der Völker, unter denen und mit denen wir leben. Das ist der Weg unserer Gegner. Wir müssen diesen Weg und sein Ziel erkennen. Es ist ja so selbstverständlich, daß es eigentlich nicht ausgesprochen zu werden braucht, daß wir nur dann, wenn wir die Gefahr richtig einschätzen, auch in der Lage sein werden, ihr zu begegnen. Wiegen wir uns nicht in Sicherheit, weil die lauten Rufe von der Straße verstummt sind, die Schlange schleicht' weiter, das Gift, das aus ihren Bissen kommt, wuchert fürchterlich. Daß wir diese Gefahr, die uns aus tausendfachen Zeitungsäußerungen, aus so und so vielen Büchern in die Augen springt, noch nicht erkannt haben, das beweisen zur Genüge die Verhältnisse im Innern des deutschen Judentums. Auch hier sind wir noch meilenweit von der Versöhnung entfernt. Wir sind auch davon noch entfernt, daß wir die Gegensätze als politische oder geistige Gegensätze bewerten, sondern auch hier geht der Kampf vielfach vom Menschen gegen den Menschen. Das Wort vom Bruderkrieg, das wir vorhin gebraucht haben, trifft mit besonderer Kraßheit auf die Verhältnisse im Judentum zu. Was hat sich denn hier im letzten Jahr geändert? Gewiß, die Zahl derer, die die große Gefahr erkannt, in ihrem Willen zum Kampf zum Schutze ihres Judentums entschlossen sind, ist erheblich größer. Aber recht groß ist auch immer noch die Zahl derer, die so tun, als ob die ganzen Ereignisse sie nichts angehen, und die glauben, daß sie am besten der Not dadurch entrinnen, daß sie sich möglichst weit in die Ecke hineindrücken. Hinzu kommen die, die weiter einem Phantom nachjagen, von dem sie nicht nur eine Ueberwindung der Gegner, sondern auch eine Erneuerung des Judentums erwarten. Natürlich haben die Gegner dann ein leichtes Spiel, wenn wir ihnen nicht eine geschlossene Masse entgegensetzen können. Von der Schaffung einer „jüdischen Einheitsfront" wird verständlicherweise gerade in unseren Tagen recht viel geredet? Wenn man aber die Vorschläge, die hier gemacht werden, näher betrachtet, so findet man, daß jeder die Einheitsfront auf der Grundlage aufbauen möchte, auf der er persönlich steht. Wirklich brauchbare Vorschläge zur Schaffung einer solchen Einheitsfront dürften über-