Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1920-10-01 · Heft 10 (Oktober 1920) · p. 308

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 10 (Oktober 1920)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1920-10-01
Page
308 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316900-2316909--31441-2357927
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

308 Im deutschen Reich zur Richtstätte geführt werden, — das würde nicht den Aufwand an Arbeit und an Agitation lohnen —, man will umfassender vorgehen, und da man doch schlechterdings nicht die 500000 Juden auf einen Platz zusammentreiben kann, von dem sie gemeinsam zur Richtstätte geführt werden, muß man die Sache anders anfangen. Die Flamme, die uns verbrennen soll, werden wir nicht sichtbar vor unseren Augen sehen, aber wir sollen allmählich spüren, wie man uns die Luft zum Atmen, zum Leben nimmt, wie man uns ganz allmählich erstickt. Diese Flamme heißt Boykott! Schon breitet sich um uns eine A t m o - sphäre des Mißtrauens und der Feindschaft, die sich immer drückender auf uns letzt. Wo wir uns umschauen, stoßen wir auf Abneigung, zum mindesten aber auf ein reichliches Mißtrauen. In allen Kreisen ist das zu bemerken, auch in denen, in denen wir sonst glaubten, die zuverlässigen Verteidiger unserer Rechte zu sehen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse kommen den Gegnern zugute, .sie bieten ihnen ein sicheres Mittel, um die allgemeine Mißstimmung auf uns zu lenken. Wer das zweifelhafte Vergnügen hat, häufig die Eisenbahn zu benutzen, der kann sich vielleicht am ehesten aus den Unterhaltungen in den Abteilen ein Bild machen, wie alle Kreise unseres Volkes bereits durchseucht sind mit diesem Gift.' Im Straßenbahnwagen, in den kleinsten Geschäften möge man diese Beobachtungen fortsetzen. Wir sind die Fremden, wir sind die Verräter, wir sind die, die aus dem Zusammenbruch Nutzen ziehen sollen, so heißt es überall. Der so absurde Gedanke von der Weltherrschaft des Judentums findet in der Tat immer mehr Glauben. Ob nun eine politische Partei einen ihr genehmen Kandidaten, der sicherlich der Mehrzahl der deutschen Juden ebensowenig lieb ist, wie der Mehrzahl der Nichtjuden, in einen höheren Posten zu bringen sucht, ob der Jude Einstein eine Theorie aufstellt, vor der die größten Gelehrten der Erde in Ehrfurcht stehen, ob jüdische Künstler Werke Hervorbringen, die allein das Volk in seiner Not zu erheben vermögen, all das würde nach Auffassung der Gegner die Etappe auf dem Wege zur jüdischen Weltherrschaft sein! Man lese nur einmal die Organe der Antisemiten, und man wird finden, daß dieses Wort an allen Ecken und Enden recht geschickt gebraucht wird. So liest man: die Juden der Welt, verbunden durch den gemeinsamen Plan, eine jüdische Weltherrschaft zu erlangen, sind die Hyänen, die auf dem Schlachtfelds der Welt, auf dem sich heute -die Völker verbluten, die Opfer aussaugen, um

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.