Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1920)
- Article
- Zur Verständigung zwischen deutschen Christen und deutschen Juden
- Date
- 1920-10-01
- Page
- 297 (sequence 5)
- Language
- German
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Zur Verständigung zwischen deutschen Christen und deutschenJuden 297 geschick"), sondern in anderen Menschen. Als die Festung Metz im Herbst 1870 wegen der Unmöglichkeit-» die übergroße eingeschlossene Menschenzahl länger zu ernähren, den Deutschen hatte übergeben werden müssen, erhob sich in Frankreich allgemein das Geschrei: Bazaine sei ein Verräter. Gegenwärtig muß Deutschland eine der schwersten Zeiten seiner wechselvollen Geschichte durchleben: die blinden oder verblendeten Massen hatten von dem am 9. November 1918 eingetretenen Umsturz eitel Glück erhofft: Frieden und materielles Wohlleben, statt der Pflicht selbst zu arbeiten, Recht auf Streik und Ernährtwerden aus der Staatskrippe (über deren Füllung man sich keine Gedanken machte) oder aus dem von anderen in fleißiger Arbeit Erworbenen. Jetzt haben wir das graue Eleyd teils schon im Hause, teils vor der Tür. Was nützt ss den Arbeitern^ daß sie eine Zeitlang den sechsfachen, ja zehnfachen Lohn erhalten, wenn alle Preise (Lebensmittel, Kleidung, Wohnung samt Zubehör, Heizung) in gleich hohem/ ja höherem Grade gestiegen sind? Die „Erwerbslosenfürsorge", an sich ein guter Gedanke, wird infolge der getriebenen Mißbräuche mehr und mehr unausführbar. Und die Möglichkeit, die Bänknotenpresse in derselben Weise, wie seit dem November 1918, weiter tätig sein zu lassen, wird bald ein Ende haben, da niemand im Auslande die deutschen Banknoten mehr wird in Zahlung nehmen wollen. Der Zusammenbruch der deutschen Macht ist herbeigeführt worden (nur die drei wichtigsten, zusammen aber ohne anderes entscheidenden Gründe können hier genannt werden; in welcher Reihenfolge sie zeitlich am richtigsten anzuführen wären, kann hier ununtersucht bleiben): erstens durch das ernsthafte Eintreten U*S-Americas in den Weltkrieg gegen das durch mehrjährige riesenhafte Anstrengungen erschöpfte Volksheer Deutschlands; zweitens durch das Verleumden der Northcliffe- Presse, welcher gegenüber es an zielbewußter und großzügiger Gegenarbeit seitens Deutschlands fehlte (Lord Northcliffe, früher Harmsworth, ist katholischer Ire, weder Jude, noch gewesener Jude, wie gegenüber noch jetzt immer wiederholten falschen Behauptungen nochmals nachdrücklich festgestellt sei); drittens durch die den Siegeswillen des deutschen Volkes untergrabende innere Wühlarbeit, welche durch die Einsichtslosigkeit des damaligen Reichskanzlers v. Bethmann- Hollweg.und durch russisches Geld gefördert wurde. Viele, denen diese und andere Gründe nicht bekannt oder in ihrer Bedeutung nicht klar waren, s u ch t e n, in Üebereinstirnmung mit früher Angedeutetem, nach persönlich Schuldigen und fanden sie in den Juden. Handhaben für Anklagen waren: die Haltung der „Judenblätter", das Protzentum vieler Kriegsgewinnler, die große Zahl der in den Kriegsgesellschaften beschäftigten Juden usw. Der in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts emporgewachsene Antisemitismus hatte zwar schwere Niederlagen erlitten (ich erinnere nur an die „Blutbeschuldigung"), war aber nicht tot. Seine Führer benutzten geschickt die Unzufriedenheit über die Ergebnisse des Umsturzes und über das Schöntun der Zionisten mit England; sie vergrößerten das Matz