Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1920)
- Article
- Zur Verständigung zwischen deutschen Christen und deutschen Juden
- Date
- 1920-10-01
- Page
- 295 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316900-2316909-2357853--31424-2357914- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Verständigung zwischen deutscheu Christen und deutschen Juden 262 Bestes, dahin ich euch habe lassen wegführen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl/) — Man kann dieses Warten vergleichen mit dem von Christen, die doch auch treue Bürger, jeder seines Landes, sein' wollen, auf das „himmlische Vaterland", das „himmlische Kanaan". Die weiter „links" stehenden Juden erklären: „Wir sind. Deutsche, (Engländer, Franzosen); Palästina ist uns wert um unserer Geschichte willen, und wir werden gern Juden, die dahin übersiedeln, unterstützen; gern aber werden wir auch Auswanderung von Juden nach Argentinien und U-S-America fördern, um sie aus russischem, polnischem oder anderem Druck zu befreien." Anders steht es mit den Zionisten. Das Baseler Programm zwar bezeichnet als Ziel nur „eine öffentlichrechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina". Das aber war nicht Theodor Herzls eigentliches Ziel und ist nicht das von den Zionisten eigentlich Erstrebte, sondern nur eine „Etappe^ auf. dem Wege,. ein Durchgangspunkt auf dem Wege zur Erreichung eines selbständigen, vollkommen unabhängigen, jüdischen Staates Palästina. Ist dieses Streben oder ist auch nur der Gedanke daran vereinbar mit wirklichem Patriotismus in bezug auf die Länder, in denen die Juden jetzt wohnen: Deutschland, England, Frankreich usw.? Zweifellos werden viele Zionisten, vielleicht die meisten, diese Frage mit Ja beantworten und dabei Hinweisen auf die „Blutopfer", welche auch ihrerseits gebracht worden seien, auf die auch von Zionisten erlangten „Eisernen Kreuze" und anderen Kriegsorden, sowie auf die für Verwundete, Gefangene usw. gegebenen Geldspenden! — Daß diese Antwort in gutem Glauben gegeben 'wird, bezweifle ich nicht. Aber oft finden sich in ein und demselben Menschen miteinander nicht übereinstimmende Gedanken und Gefühle geraume Zeit friedlich nebeneinander, und er wird sich dieses Widerspruchs erst unter besonderen Umständen, namentlich bei der Notwendigkeit einer klaren Entscheidung, bewußt, und es wird nicht zu leugnen sein, daß der Gedanke an zwei irdische Vaterländer im Leben zu ernsten Schwierigkeiten, ja zu tatsächlicher Beiseitestellung des einen führen kann und führen wird. Geradezu gefährlich aber ist gegenwärtig für die Juden Deutschlands der Umstand, daß die Christen Deutschlands 4vohl bereit sein werden, solche Zweiseitigkeit der Gefühlsrichtung bei einzelnen, auch bei vielen einzelnen Zionisten Deutschlands als möglich, ja als vorhanden anzuerkennen, daß ihnen aber die Zionistische Partei in Deutschland als nicht deutscher oder nicht genügend deutscher Gesinnung gelten wird. Die Berechtigung dieser Beurteilung wird von zionistischer Seite lebhaft bestritten werden. Hinsichtlich der Wirkung kommt es aber oft mehr darauf an, daß etwas geglaubt wird, als daß es wahr ist. Das Vorhandensein dieser Beurteilung des Zionismus ist aber für jeden klar, der Augen und Ohren hat. Ein wichtiger Grund für dies Urteil ist in dem Verhalten des Zionismus gegenüber England gegeben. Beachtet die Anzeige: Philo Verlag!