Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1920-10-01 · Heft 10 (Oktober 1920) · p. 294

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 10 (Oktober 1920)
Article
Zur Verständigung zwischen deutschen Christen und deutschen Juden
Date
1920-10-01
Page
294 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316900-2316909-2357853--31423-2357913
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

294 Im deutschen Reich Kriegsgewinnler, Protzen, Hamsterer, Drückeberger gab eS und gibt es hüben und drüben; Meinungsverschiedenheit besteht nur darüber, auf welcher Seite verhältnismäßig mehr dieser gewiß nicht wünschenswerten (übrigens auch in U-S-America und in England nicht fehlenden) Persönlichkeiten vorhanden waren bzw. sind. — Daß an dem großen Umstürze Juden in übergroßer Zahl direkt beteiligt gewesen sind, glaube ich nicht (tatsächlich dem Judentum völlig fremd Gewordene kann man doch nicht so ohne weiteres in die Rechnung aufnehmen). Allerdings sind bei der dann folgenden Leitung oder, richtiger gesagt, Irreleitung des deutschen Volkes Juden in großer Zahl hervorgetreten; das aber läßt sich zum Teil aus der schuldbaren Zurückhaltung nur allzuvieler in den gebildeten bürgerlichen Kreisen erklären. Allerdings hat die als spezifisch jüdisch geltende Tagespresse (ich nenne hier nur das „Berliner Tageblatt" und die „Frankfurter Zeitung") durch ihre Haltung heftigen'Unwillen in den erwähnten Kreisen erregt: dann aber sollte man in diesen Kreisen andere Blätter halten: gute Handelsnachrichien z. B. findet man doch auch in der „Vossischen Zeitung" und im „Berliner Lokalanzeiger", in der „Kölnischen Zeitung" und im- „Hamburger Korrespondenten". Ernst zu nehmende Gegner erweckt den Juden gegenwärtig das Gebaren vieler Zionisten. Liebe zu dem den Patriarchen verheißenen Lande, Liebe zu Zion-Jerusalem ist für Christen verständlich. Vielen freilich ist der Blick getrübt durch ihre ebenso unwissenschaftliche wie unchristliche Geringschätzung des Alten Testaments, eine Geringschätzung, die namentlich durch Theodor Fritsch, Artur Dinier und jetzt Friedrich Delitzsch verschuldet ist. Für uns aber sind Hebron und Bethlehem und Jerusalem, der See Genezareth und der Jordan, der Karmel und der Libanon durch Abraham und Moses, durch David und Salomo, durch Elia und Elisa, durch Jesaja und Jeremia von Jugend an werte Stätten, wert auch dadurch, daß in diesem Lande unser Herr Jesus Christus und seine Apostel gelebt und gewirkt haben. Wir können auch verstehen, daß Juden zur Unterstützung durch Pogrome oder sonstige Not in den bisherigen Wohnländern heimatlos gewordener Juden neue Wohnsitze, „Kolonien", lieber in Palästina als in Argentinien oder in U-S-America gründen, und diese Richtung des Wohltätigkeitstums wird noch verständlicher durch die Tatsache, daß für die an ihrer überlieferten Religion haltenden Juden die den drei Patriarchen in bezug auf Palästina gegebenen Verheißungen als noch nicht erfüllte oder vielmehr als nochmals, und zwar noch herrlicher zu erfüllende, gelten. Aber diese Juden erwarten in ihrer Mehrzahl, daß Gott diese Erfüllung zu der Ihm genehmen Zeit, nicht nach dem Wollen von. Menschen, stattfinden lassen werde; und sie würden es nicht für recht halten, wenn man aus den Zeitpunkt des Kommens des Tages Gottes, des Kommens der „messianischen Zeit", durch Menschentun einzuwirken versuchte. Bis dahin wollen diese Juden treue Bürger des Landes sein, in dem sie wohnen, sie selbst und ihre Kinder und, wenn Gott will, ihre Kindeskinder. (Vgl. Gottes bekanntes Wort durch Jeremia an die nach Babel weggeführten Juden (29,7j: „Suchet der Stadt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.