Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1920)
- Article
- Zur Verständigung zwischen deutschen Christen und deutschen Juden
- Date
- 1920-10-01
- Page
- 293 (sequence 1)
- Language
- German
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3m deutschen Seich. Zeitschrift bti Levkalverelrrs SeMcher Aaalsbsrger Wschen GlMdens. -— Erscheint elf mal im Jahre. Der „Central - Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" bezweckt, die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens ohne Unterschied der religiösen und politischen Richtung zu sammeln, um sie in der tatkräftigen Wahrung ihrer staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung, sowie in der unbeirrten Pflege deutscher Gesinnung zu bestärken. (§ 1 der Satzung des Vereins.) XXVk.Zahrg. Berlin, Oktober 1920. Rr. 10 Zur Verständigung zwischen deutschen Christen und deutschen Znden. Von Geh.-Rat Prof. v. Hermann L. Strack in Berlin-Lichterfelds-West. Wir veröffentlichen die Ausführungen des hervorragenden christlichen Theologen, ohne in allen Einzelheiten mit ihm übereinzustimmen, deshalb mit besonderer Freude, weil wir glauben, daß gerade der Mahnruf, der von ihm ausgeht, ganz erheblich zu der Verständigung, die auch wir ersehnen, beitragen wird. (Die Redaktion.) Nach dem Abebben der in den 70er Jahren in Deutschland entstandenen „antisemitischen" Bewegung haben viele, namentlich Juden, schon das Aussprechen des Wortes „Judenfrage" wie etwas Ungehöriges empfunden und gar das Vorhandensein einer solchen Frage geleugnet. Jetzt, nachdem seit dem Umsturz vom 9. November 1918 noch nicht zwei Jahre vergangen sind, kann bei uns niemand mehr der Ueberzeugung sich verschließen, daß wir inmitten einer Hochflut solcher Bewegung leben, und zwar einer Hochflut, deren Höchstpunkt noch nicht erreicht ist. Nichts wäre törichter, als durch Verschließen der Augen und der Ohren sich selbst und durch Schweigen andere über den Ernst der Lage zu täuschen. Durch Schelten allein, noch dazu durch ein Schelten, das einseitig die Schuld ausschließlich oder fast ausschließlich einer Seite zuschreibt, wird nur geschadet. Neue Darlegungen der Gründe dieser Bewegung würden bei der auf beiden Seiten vorhandenen Stärke und Tiefe des Mißtrauens und der Erbitterung schwerlich ruhiges Gehör und die unerläßliche sachliche Würdigung finden, zumal wesentliches Neues nur von wenigen Hergebracht werden würde.