Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Article
- Notwendigkeit und Aufgaben der studentischen Ortsgruppen
- Date
- 1920-09-01
- Page
- 282 (sequence 4)
- Language
- German
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S82 Im deutschen Reich tives, wie die selbstverständliche Abwehr des Antisemitismus, nicht bieten. Organisation und Besuch politischer Versammlungen, Agitation und Vorgehen bei Behörden sind gewiß, und heute ganz besonders, sehr notwendige Dinge; aber zu wirklichem Erfolge können sie nur fuhren, wenn sie nicht bloße Reslexwirkungen auf einen instinktiv unangenehm empfundenen politischen Reiz sind, sondern wenn sie Auswirkungen einer gewaltigen inneren Triebkraft sind, des jüdischen Stolzes. Der kann aber nur geweckt werden durch Kenntnis des Judentums, seiner Lehren, seiner Geschichte, seiner Vertreter, durch Erkenntnis dessen, was es noch heute der Menschheit an welterlösenden Idealen zu bieten hat, und durch das hohe und unerschütterliche Bewußtsein, daß nur unser Stamm der Welt diese Güter bewahren konnte, der sie, wie zahlreiche Beispiele aus unserer Geschichte beweisen, als kostbares Heiligtum verteidigte und pflegte, unbeirrt durch Verlockungen und Verfolgungen, durch Ghetto grnd Scheiterhaufen. Darum müssen wir die jüdische Lehre kennenlernen, müssen wir uns in jüdische Geschichte vertiefen, brauchen wir mit einem Wort: positiv-jüdische Arbeit! Wir brauchen diese aber auch in unserer dritten Eigenschaft, als Angehörige des Centralvereins. An und für sich kann ja überhaupt jeder große jüdische Verband — von reinen Wohltätigkeitsorganisationen vielleicht abgesehen — nur etwas Gedeihliches leisten durch nachdrückliche Betonung der positiv-jüdischen Arbeit. Für den C en tralverein bestehen aber noch ganz besondere Verpflichtungen. Nicht bloß, daß eine nachhaltige Bekämpfung des Antisemitismus ohne jüdisches Wiffen und Wollen unausführbar ist, nicht bloß, daß der Centralverein durch seine Ablehnung des Zionismus verpflichtet ist, diesem ein positives Programm entgegenzustellen: der Centralverein ist zu positiver Arbeit als einflußreichster und tätigster Verein der bewußt deutschfühlenden Juden moralisch verpflichtet. Er muß seine Mitglieder und Anhänger mit dem berechtigten Stolze erfüllen, unseren angestammten Glauben bekennen, sich zu unserer historischen Gemeinschaft zählen zu dürfen: auch von ihm fordern wir daher positiv-jüdische Arbeit! Einstweilen fällt diese Aufgabe vor allem den studentischen Ortsgruppen zu. Sie haben, besonders der „Verein deutscher Studierender jüdischen Glaubens zu Leipzi g", schon mit ihrer Erfüllung begonnen. Im Herbst vorigen Jahres gegründet, hat er sich alsbald erfolgreich gegen den Antisemitismus durch Tätigkeit in (gegnerischen und jüdischen) Versammlungen und Vorgehen bei der akademischen Behörde gewandt. Vor allem aber hat er positiv-jüdisch gearbeitet durch Veranstaltung von Vorträgen und Belebung der jüdischen Feste durch eine künstlerische Chanukkafeier, die den äußerst zahlreich erschienenen tonangebenden'Kreisen der Leipziger Gemeinde bewies, daß man unsere schönen alten Feste sehr wohl in modernem Rahmen würdig feiern kann. Eine weitere Vereinsaufgabe ist die wirtschaftliche Förderung der jüdischen Studierenden. Sie kann aber erst dann verwirklicht werden, wenn die Organisation der studentischen Ortsgruppen des Centralvereins, die außer in Leipzig bereits in Berlin, Frei-