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Im deutschen Reich · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. 281

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 9 (September 1920)
Article
Notwendigkeit und Aufgaben der studentischen Ortsgruppen
Date
1920-09-01
Page
281 (sequence 3)
Language
German
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Notwendigkeit und Ausgaben der studentischen Ortsgruppen 281 Ms Akademiker müssen wir nicht bloß zur Bekämpfung des sogenannten wissenschaftlichen Antisemitismus, insbesondere seiner Angriffe gegen die Religion und Weltanschauung des Judentums, jüdisches Wissen erwerben, sondern wir müssen den Problemen überhaupt auf den Grund gehen und die Frage beantworten: Weshalb kämpfen wir gegen den Antisemitismus? Zu Pogromen wird es ja wohl in Deutschland kaum kommen, Ausnahmegesetze, etwa die Aufhebung der Judenemanzipation, haben auch keine besondere Aussicht, jedem einzelnen von uns wird versichert, ihm persönlich werde nichts geschehen, man bekämpfe überhaupt nicht ihn persönlich, sondern nur die böse jüdische Gesamtheit. Warum halten wir trotzdem an dieser Gesamtheit fest, warum empfinden wir jeden Angriff auf sie als eine Beschimpfung unseres Höchsten und Heiligsten, als eine Befleckung erhabenster Ideale? Alts jüdischem Nationalgefühl? Der größte Teil-der deutschen Juden lehnt es mit uns ab; überdies: wären wir nur ein Volk wie die Serben und Norweger, wie die Spanier und Siamesen, wäre unser Judentum nur eine Form, eine leere Hülse, wir hätten es längst abgestreift wie irgendein in die Zerstreuung geführtes Volk, und wäre selbst noch ein letzter Rest, ein Rudiment übrig: Welcher Mensch vermöchte es, sich für ein solches Rudiment zu begeistern? Der Glaube an eine bloße Form vermag uns also nicht zu befriedigen: der I n h a l t ist es, der uns in unserer Gemeinschaft festhält. Wer ihn verloren hat und im Judentum nur noch ein durch alte, vielleicht längst überlebte. Formen gesichertes Absonderungsmerkmal erblickt, das erwünschter- oder lästigerweise sein spurloses Aufgehen in der Umwelt erschwert, pflegt sich meist sehr bald vom Judentum loszusagen. Dieser Inhalt, der uns erfüllt, ist freilich keine „Konfession" im landläufigen Sinne, will heißen, eine auf irgendeinem Konzil oder bei irgendeinem Religionsgespräch meist unter Mitwirkung sehr weltlicher Faktoren mühsam hergestellte Kompromißformel, die schon bei ihrer Geburt niemand recht befriedigte, gleichwohl aber vom „Landesvater" den Untertanen einst mit Scheiterhaufen und Henkerbeil ausgezwungen worden ist. Der Inhalt unserer Gemeinschaft ist vielmehr angestammter, uns angepaßter, durch die Geschichte überlieferter Glaube, der nicht aus metaphysischdogmatisches Gezänk hinauslaufen, sondern unsere Herzen ergreifen soll, sie begeistern soll zu bewußt jüdischem Wollen. Mit anderen Worten: unsere Lehre ist eine im Namen erhabenster Gottesaufsassung verkündete tätige Sozialethik. Diese Ethik, die uns durch die Jahrhunderte hindurch beseelt hat und uns schließlich so in Fleisch und Blut übergegangen ist, daß auch die leider heutzutage sehr zahlreichen Gleichgültigen unter uns sich selten ganz von ihr losreißen können, halten wir für den Inhalt unserer Gemeinschaft. Dann dürfen wir sie aber nicht nur unbewußt bekennen, wir müssen uns mit ihr vertraut machen, wirbedürfenpositiv-jüdischer Arbeit! Wir bedürfen dieser aber auch in unserer Eigenschaft als Jugendbewegung. Jugend will eine große Idee, um die sie sich schare, ihr opferfreudig zu dienen. Diese kann ihr etwas rein Nega-

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