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Im deutschen Reich · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. 276

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 9 (September 1920)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1920-09-01
Page
276 (sequence 7)
Language
German
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276 Im deutschen Reich von Gott und allen guten Geisten.! verlassen sein, wenn sie nicht endlich eingesehen haben' sollten, ■ daß. sie zuvörderst mit ihren nächsten Nachbarn in Freundschaft und Frieden beben müssen, daß England weit und der Völkerbund hoch ist. ... Inzwischen hat es Len Anschein, daß die Konferenz von San Remo auch das innere jüdische Gemeindeleben in die Hand genommen hat. In Berlin und Wien haben die Zionisten einen Sturm auf die Verwaltungen der jüdischen Gemeinden unternommen, um den letzten Willen Theodor Herzls zu vollstrecken, der auf dem Totenbett zu den Jüngern gesagt habe: „Erobert die Gemeindenl" Ketzer behaupten, daß Herzl das Wort gar nicht gesprochen habe, daß schlaue Erben seiner Tradition es nach berühmten Mustern ersonnen haben, um ein wirksames Schlagwort für ihre ehrgeizigen Bestrebungen zu besitzen. Das wird der künftige Forscher zu entscheiden haben. Ob Herzl, der nie dazu gekommen ist, eine klare Vorstellung von den wahren Bedürfnissen und dem inneren Leben der Juden sich zu bilden, das' Wort. gesprochen hat oder nicht, es ist geeignet, Zank und Strert in die Gemeinden zu tragen, gleichwie die Nachwirkungen des messianischen Schwindels lange nach dem Tode des Sabbathai Zewi eine förmliche Spaltung in die Judenheit zu bringen drohten, und schließlich in dem Frankismus eine trübselige und unheilvolle Auferstehung feierten. Es verlohnt sich, einige Programmpunkte der „Jüdischen Volkspartei" durchzusehen: „Erziehung eines von starkem jüdischen Geiste und jüdischem Bewußtsein durchdrungenen Geschlechts" lautet einer. Schön, aber wer soll entscheiden, welches der starke jüdische Geist und das jüdische Bewußtsein ist, in dem das neue Geschlecht erzogen werden soll? Seit wann ist San- Remo der Urquell des jüdischen Geistes und des jüdischen Bewußtseins? . . . Noch unklarer ist der letzte, der Kulminationspunkt des Programms: „Aktive Teilnahme an dem Ausbau des jüdischen Landes, in brüderlicher Verbundenheit mit der Judenheit der ganzen Welt." Wie soll eine jüdische Gemeinde in Deutschland oder Oesterreich „aktiv" an dem Aufbau des jüdischen Larches teilnehmen? Soll sie ihren Vorstand oder ihre, Mitglieder beauftragen, dorthin auszuwandern, um an den politischen, sozialen oder wirtschaftlichen Siedlungsarbeiten teilzunehmen? Oder soll sie aus der Ferne die Arbeiten mit ungebetenen Ratschlägen, guten Wünschen und segnenden Gebärden begleiten? Es kann sich höchstens darum handeln, daß die Gemeinden sich mit Geldsendungen beteiligen. Bedarf es dazu einer neuen Kampf Partei mit einem eigenen Programm? Sammelt nicht der Jüdische Nationalfonds allmonatlich Hunderttausende zum Zwecke des „Aufbaues von Erez Israel"? Bezeichnend ist die süßliche Phrase von der brüderlichen Verbundenheit mit der Judenheit der ganzen Welt — einer Tugend, diedie neue Partei offenbar für sich als Monopol in Anspruch nimmt. Wer sich nicht unter ihre Fahne scharf verleugnet dis brüderliche Verbundenheit mit der Judenheit der ganzen Welt. . . In Wirklichkeit ist es jetzl der Judenheit der ganzen Welt — mit Ausnahme von dem kleinen Häuflein der Juden Großbritanniens —-u nm ö g- (ich, an dem Aufbau von Erez Israel irgendwie aktiv mitznarbeiten, es sei denn innerhalb der Grenzen der reinen Philanthropie. Wir haben gesehen, daß Palästina jetzt ein rein großbritannisches Unternehmen ist, das Land soll zu einem Bollwerk der englischen Orientpolitik, einer Schutzmauer für Aegypten, einer Heerstraße nach den Goldschätzen von Golkonda und nach den Naphthaquellen von Mosu! ausgebaut werden. Da werden die Engländer es sich wohl gefallen lassen, wenn die „Judenheit der ganzen Welt" ihnen Geld zu diesem Zweck sendet, aber sie dabei aktiv mit-

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