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Im deutschen Reich · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. 275

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 9 (September 1920)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1920-09-01
Page
275 (sequence 6)
Language
German
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Jüdische Rundschau 275 brauchte England einen Landweg von Danzig nach Odessa und Konstcmtinopel, um das ganze balkanisierte Europa -umklammert zu Halten, sodann den ganzen mittel- und osteuropäischen Markt für seine Waren, die die deutschen und .deutsch-österreichischen verdrängen sollten. Schließlich brauchte England die ostgalizischen N a p h t h a quellen. Dieses Bedürfnis ist schon einmal für die Juden verhängnisvoll geworden. Ursprünglich sollte nämlich über die endgültige Staatszugehörigkeit Ostgaliziens nach einer Reihe von Jahren ein Plebiszit der Landesbewohner entscheiden. Da die Juden bei der Abstimmung den Ausschlag geben würden und den . Polen unendlich viel daran lag, das Land zu. behalten., so erhofften Äe Juden und auch die rechtlich denkenden und wohlmeinenden Polen, daß das zu erwartende Plebiszit die Polen zwingen werde, die Pogrom- und Boykottpolitik zurückzustellen. Aber die ostgalizischen Oelfelder gehören einem gewaltigen englischen Konzern, an.dessen Spitze Sir Charles Parker steht, und dieser Sir Charles Parker setzte es bei Lloyd George Anfang dieses Jahres durch, daß Ostgalizien ohne Plebiszit dem Polenstaat zuerkannt wurde. So wurden die Polen geködert und angestachelt, in den Krieg gegen Rußland gehetzt, nun, da sich ihre Kraft als unzulänglich erwies, das doppelte Bollwerk zu bilden, werden sie für ihre Beschützer verbluten. In der Welt der hohen Diplomatie ist der Besiegte immer im Unrecht. Ist das nicht das Vorspiel zu dem Schicksal, welches das Bollwerk im Orient erwartet, das die Inden in Palästina für die englische Politik errichten sollen? — Mit dem Bankrott in Polen ist die ganze Osteuropa-Politik und zugleich die ganze osteuropäische Judenpolitik Englands zusammengebrochen. Polen hat den ihm von der Entente suggerierten Traum, einen trennenden Wall zwischen Rußland und Deutschland zu bilden, wie es das Interesse Englands und Frankreichs erfordert, diesen Traum hat Polen für immer ausgeträumt. Es wird fortab die Brücke zwischen diesen beiden großen Ländern bilden, die wirtschaftlich und kulturell aufeinander angewiesen sind und zueinander drängen. Zu dieser Rolle -ist Polen durch seine geographische Lage bestimmt und nicht zur Rolle eines Bollwerks für den politischen und kommerziellen Imperialismus Englands. Alle kleinen Staaten, vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee, die die Stützpunkte Englands in dem balkanisierten Mittel- und Osteuropa sein sollten, werden sich von England abwenden. In Polen ist jetzt schon der Haß gegen England beinahe noch starker als ehemals gegen Preußen. Noch vor einem halben Jahre durfte Sir Stuart Samuel die Juden in Polen im Namen Englands gleichsam i n Besitz nehmen, England war in Polen ebenso gefürchtet wie beliebt, obgleich weder die Liebe noch die Furcht sich aus Sir Samuel übertrug. Die Juden in Polen konnten jedenfalls nicht merken, was für Gefahren diese Besitznahme durch England für sie birgt. Wenn heute Sir Stuart Samuel in Polen erschien^ würde man sich nicht damit begnügen, ihn in der Presse als „Reb Schmuel" zu verhöhnen, sondern mau würde ihn lynchen! Fortab hat es keinen Sinn, daß es in den neugebildeten Staaten jüdische nationale Minoritäten gebe, die unterm Schutz des Völkerbundes, d. h.- Englands, stehen und seinen kommerziellen und wirtschaftlichen Interessen dienen, als kleine Bollwerke in jedem einzelnen Staat, die wie im Halbkreis das große Bollwerk Palästina umgeben. Die Ausbeutung des jüdischen Nationalismus iw Golus zu englischen Zwecken wird sich fortab nicht gut durchführen lassen. Die Juden müßten ja mit Blindheit geschlagen, Beachtet die Anzeige: Philo Verlag!

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