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Im deutschen Reich · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. 274

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 9 (September 1920)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1920-09-01
Page
274 (sequence 5)
Language
German
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274 Im deutschen Reich spricht der ausdrücklichen Botschäst des Königs an die Bewohner Palästinas, und man möchte nur wünschen, daß die Juden von diesem Danaergeschenk bewahrt bleiben, und weder in bezug auf Ansiedlung noch in bezug auf andere Hinge vom englischen Mandatar vor den Arabern bevorzugt würden, sonst würde der Haß der Araber unversöhnlich werden .und jede Aussicht auf Versöhnung würde schwinden. Den Ruhm, auf unsere alten Tage ein Kriegervolk zu werden, auf dem Boden unserer Väter blutige Lorbeeren im Kampfe gegen die - Araber zu ernten, könnten wir teuer bezahlen. Es ist wichtig, die auffallende Analogie zwischen der Juden- Politik und be;r Polenpolitik der Entente zu betrachten. Der erste Außenminister des neuen Polens, der ehemalige österreichische Eisenbahnminister G l o m b i n s k i,, richtete gleich nach seinem Amtsantritt nach Berlin eine Note, in der er versicherte, er wolle mit dem Nachbar in Frieden und Freundschaft leben. Die Entente schäumte aus, Glombinski. wurde hinweggefegt. Paderewski erschien aus der Bildfläche, der Liebling Wilsons und Clemenceaus, hinter ihm stand Dmowski, der Ehrendoktor von Oxford, der bei Lloyd George in hoher Gunst stand. Mit diesem Moment — es war zugleich der Beginn der Pogrom-Aera — fing das künftige Polen an, unheimlich zu wachsen. „Wir brauchen ein großes Polen!" schrien, die Franzosen und Engländer. 'Die berühmten „historischen Rechte" wurden hervorgeholt. Hat nicht vor sieben- oder achthundert Jahren, als es ein Polentum im heutigen Sinne noch nicht gab, ein polnischer Herzog in 'Schlesien geherrscht? Also muß Schlesien zum polnischen Reich gehören. Danzig und Westpreußen um so mehr. Litauen, Weißrußland, der größte Teil der Ukraine. Den Besonnenen unter den Polen wurde angst und bange vor dieser ihrem Vaterland zugedachten Größe. Sie wollten lieber mit den kleinen und großen Nachbarn in Frieden leben und die ganze Kraft dem inneren Ausbau widmen. Aber die Freunde und Beschützer von draußen wurden reicht müde, den Größenwahn der „Patrioten" aufzustacheln, und die Patrioten wurden von einem Taumel ersaßt. Sie waren stolz und glücklich, hinter dem Sieger- Wagen der Entente einherlaufen zu dürfen und Hurra und Vae victis zu schreien. Hinter uns steht England, hinter uns steht Frankreich, wir führen Krieg mit der ganzen Welt. Die Deutschen? Me sind ja so feig! Wurden sie nicht von der Entente aufs Haupt geschlagen? Die Russen? Die sind ja sogar von den Deutschen zermalmt worden. Wir müssen die Vormacht in Osteuropa werden. In den angrenzenden Ländern, wo wir in der Minderheit sind, müssen wir die Mehrheit werden^ die ansässigen Grundbesitzer enteignen wir und zwingen sie zur Auswanderung. Wir sind berufen, das Bollwerk der abendländischen Kultur gegen den halbasiatischen Bolschewismus zu werden, wir sind die Vorposten Englands und Frankreichs. . . . So * ist es gekommen. . . Jetzt sieht man in Polen schon ein, daß England und Frankreich ein .„großes Polen" nicht für Polen, sondern für sich selbst brauchen. Frankreich brauchte eine Karriere antiLermanitzue. ein Bollwerk gegen Deutschland, darum mußten der neuen Republik so viele deutsche Gebiete als möglich angegliedert werden, damit ewiger Haß zwischen Polen und Deutschland herrsche, sodann brauchte Frankreich eine Garantie für die russische Staatsschuld von 25 Milliarden in Gold, die diese vermaledeiten Bolschewiki nicht anerkennen . wollten. England brauchte ein Bollwerk gegen Rußland, welches plötzlich wieder drohend sich erhob und Asien und die Meerengen ins Auge faßte. Es war eine Wonne, als die Polen in Kiew einmarschierten und man sich in London sagte: die Russen werden in Europa genug zu tun haben. Außerdem

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