Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-09-01
- Page
- 273 (sequence 4)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau England strebt, sich eine Art Weltmonopol in Naphtha zu schaffen und vor allen Dingen sich in dieser Beziehung v o n d e m t e ur en Freuit'b Amerika unabhängig zu machen. Darum ist Mosul d i e heülige Stadt, wohin'!der Engländer mit sehnender Seele strebt. Am 23. Juli wurde der ebenfalls in San Remo am 24. April zwischen Lloyd George und Millerand vereinbarte Petroleum-Vertrag publiziert. Danach teilen die beiden Alliierten die gesamte Welt-Naphthaprodüktion untereinander zu gleichen Teilen, nur die Quellen von Mosul, die reichsten der Welt, bilden eine Ausnahme, denn davon erhält Frankreich nur.25 Prozent. Die Franzosen fühlen sich arg übers Ohr gehauen und haben das Wort „Mosulismus" geprägt. Das ist ein hübsches Pendant zum Zionismus. Von Zion führt der kürzeste Weg nach Mosul. Wer in Zion sitzt, hält nicht nur die Quellen der himmlischen Gnade, sondern auch die des irdischen Naphthasegens in seiner Hand. Das englische Mandat hat also, wie man sieht, einen tiefen Sinn. Die Juden, die man nach Palästina „hineinpacken" will, werden im Kampfe gegen die Araber die Orientherrschaft Englands schützen. Erst jüngst lasen wir, daß ein jüdisches Bataillon zusammen mit indischen Truppen in der Gegend von Jericho gegen „aufständische" Araber gefochten habe. Ein seltsames Bild! Juden fechten an der Seite arischer Polytheisten gegen semitische .Monotheisten, um das Land Abrahams und Davids freizuhalten als Aufmarschgebiet für englische Truppen auf dem Wege nach den Naphthaguellen von Mosul. — Die „jüdische Nation",^ nämlich die 90 Tausend jetzt in Palästina lebenden Juden und die später einwandernden, müssen als Vortrupp der englischen Weltmacht mit her Front gegen die Araber und den ganzen Islam dastehen. Wenn man in zionistischen Versammlungen darauf aufmerksam zu machen sich erlaubt, daß dies doch eine ziemlich gewagte Partie für die „jüdische Nation" sei, erhebt sich gewöhnlich ein unerschrockener Jüngling — im Durchschnitt heißt er Nahum Goldmann — und ruft in die Versammlung hinein: „Wir sind eben eine heroische Partei! Mögen die Gefahren zehnmal so groß, mögen die Hindernisse zehnmal so schwer sein! Desto besser! Wir sind eine heroische Partei!" Und die ganze Grenadierstraße in Berlin und die Grenadierstraßen in der ganzen Welt wiederholen: „Die Araber find ja so feig! Was brauchen wir sie zu fürchten? Und dann steht ja England hinter uns!". . . . Wir können es ruhig darauf ankommen lassen, gegen den ganzen Islam Krieg zu führen, um nur die höhere Mission zu erfüllen, ein Bollwerk der englischen Orientpolitik zu sein. Noch eine andere hohe Mission haben wir in Palästina und auch in den Golusländern zu erfüllen: Seit Anfang Mai wivd in London ein „Jewish Journal of Commerce" herausgegeben, welches den Zweck verfolgt, den Außenhandel Mitteleuropas in englische Bahnen zu lenken. In sinniger Verflechtung von Zionismus und bu8ine88 schreibt in der ersten Nummer -Sir Stuart Samuel: Palästina habe die Aufgabe, ein großes und wertvolles Absatzgebiet für britische Erzeugnisse zu sein, es müsse das große Verteilungszentrum für die' angrenzenden Länder, was die britischen Jndustrieerzeugnisse anbetrisst, werden. Den Juden von Palästina fällt also die doppelte Mission zu,, die Wacht am Jordan zu halten^ auf dem Wege nach Indien und Mosul, und zugleich englische Waren für den ganzen Orient seilzuhalten. Zum Lohne dafür verspricht man ihnen folgendes: „Eine b e s o n d e -,r e G e setzg e bung zugunsten der Juden wird diese in bezug auf Ansiedelung und Entwicklung von Handwerk und Industrie in Palästina bevorzuge n." (Special legislation on behalf of the Jews will favotir these on respect of colonisation and on respect of the development of agriculture and manufacturing industry.) Man traut seinen Augen nicht, das wider-