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Im deutschen Reich · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. 272

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 9 (September 1920)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1920-09-01
Page
272 (sequence 3)
Language
German
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272 Im deutschen Reich Interessen des britischen Weltreiches zu dienen, mit seinem Hirn, seinem Geist, seinem Vermögen und seinem Menschenmaterial, „mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und -deiner ganzen Kraft", wie es im Schema-Gebet heißt. Doch das ist ein eigenes Kapitel und verdient besonders behandelt zu werden. Die Araber indessen müssen sich «fragen: Wem gegenüber soll Palästina als Schutzmauer für Aegypten dienen? Doch wohl nicht den Irländern oder den Neuseeländern oder den Buren gegenüber^ sondern uns, den Arabern, gegenüber! Hier haben wir wieder die schöne Theorie von btm „Bollwerk", welches die Juden in Palästina für die englische Politik zu bilden haben. Daß die Araber den eminentesten Träger dieser Idee, der jetzt zum Oberkommissar von Palästina ernannt wurde, nicht gerade mit freundlichen Augen ansehen, wird niemanden wundernehmen. Er ist in deren Augen die Verkörperung der Fremdherrschast, zu deren Stütze der Zionismus mißbraucht wird; die Juden bedürfen ihrer nicht. Niemals ist in den Sphären der hohen Diplomatie und an den grünen Tischen der WeltpoliLik soviel von der Heiligkeit Palästinas bie Rede gewesen, wie jetzt, von der erhabenen Weihe seiner historischen Erinnerungen, die der ganzen zivilisierten Menschheit teuer sind. Wenn in allen diesen Redensarten ein Tröpfchen Aufrichtigkeit gewesen wäre, dann hätte man das Heilige Land hinausheben müssen aus der ganzen Unsauberkeit und Gemeinheit des politischen Geschäftes, um es mit weltpolitischer^ N e u t r a l i t ä t zu umgeben, damit es sich fortab in vollem Frieden entwickle und nicht mehr der Tummelplatz niedriger Intrigen sei, das Schlachtfeld, auf dem die Kämpfe um die materielle Vorherrschaft in Vorderasien ausgekämpft werden. Ein heiliger Tempel des Friedens für alle Völker hätte dies Heilige Land werden sollen. Was das Land braucht, das ist eine gute, moderne europäische Verwaltung. Der Völkerrat mußte es unter die Obhut europäischer Nationen stellen, aber nur solcher, die im Orient politisch uninteressiert sind und nicht im Verdachte stehen, ihr Mandat dazu auszubeuten, die Bevölkerung zu knechten und den heiligen Boden als Aufmarschgebiet zu benutzen, um die anliegenden Länder unterm Joch zu halten. Schweden, Holland und die Schweiz sind solche Nationen. Einer vereinigten Kommission dieser drei Länder, die sich in der Verwaltung exotischer Gebiete (Kreta, Persien usw.) mehrfach hervorgetan haben, und deren Unparteilichkeit und Uneigennützigkeit über allen Zweifel erhaben ist, hätte das Mandat über Palästina übertragen werden sollen, mit dem Auftrag, die Besiedelung, Urbarmachung, Bewässerung und Aufforstung des Landes zu leiten und die Bevölkerung zur Selbstverwaltung und friedlichen Selbstregierung zu erziehen. Nur ein derartiges internationales Mandat neutraler Nationen hätte den Frieden und die Unantastbarkeit des Landes verbürgt, ihm eine ruhige Entwicklung gesichert und es davor bewahrt, auch in Zukunft der blutige Kriegsschauplatz feindlicher Heere zu bleiben. In Wirklichkeit aber waren die Phrasen von der Heiligkeit des Landes,- the holy iand to the holy people, nichts als Redensarten. Das Land brauchte England als Schutzmauer für Aegypten,- gegen die Araber, -als Landbrücke von Afrika nach Indien und nach — Mosul, wo die reichsten Naphthaguellen der Welt sprudeln, die England jetzt um so mehr benötigt, da die Naphthaquellen von Baku, die es schon in seinem Besitz wähnte, von den vermaledeiten Bolschewisten genommen wurden. Die „heiligsten Güter", um die die Nationen jetzt kämpfen, sind die Naphthaguellerd, denn wer die Weltproduktion des Naphtha in der Hand hat, kann machen was er will, sagte unlängst der erste englische Seelord.

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