Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-09-01
- Page
- 271 (sequence 2)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau 271 Land gehört uns, und keine Macht der Welt wird es uns entreißen. Wir Eingeborenen des Landes protestieren gegen die Ernennung Samuels zum Oberkommissar. Das islamitische und das christliche Element ist einig in dieser Forderung." Ein zionistischer Abgesandter kam nach Damaskus, um mit den Führern der Araber Verständigung zu suchen. Der Wesir sagte ihm: „Wir wollen die Frage gar nicht berühren, ich glaube nicht, haß wir je im Ernste nötig haben werden, uns mit euch auseinanderzusetzen. Wenn ihr aus diesem Wege fvrtschreitet, werdet ihr's am Ende bereuen, aber es wird euch nichts mehr nützen. Alle Araber, nicht bloß die palästinensischen, werden euch die schwersten Hindernisse in den Weg legen. . Das einzige Mittel zu ' einer Verständigung zu gelangen, ist d i e E i n h e i t d e s Landes und' die Abschaffung -des englischen M an da't s." (H äare tz, Nr. 302 und 303.) Man muß schon sagen, es ist nicht ganz fair von seiten der zionistischen Presse, daß sie alle diese Stimmen der Araber einfach unterschlagt. Man fleht, die einzige Ursache des arabischen Hasses ist die englische Politik, in deren Dienst sich der Zionismus gestellt hat. Sir Herbert Samuel ist einer der Hauptträger dieser Strömung, und daß 'gerade er und kein anderer zum englischen Oberkommiffar für Palästina ernannt wurde, muß die Araber nur noch in der Ueberzeugung bestärken, daß die ganze „jüdische Nation", die hinter den Zionisten stehe, sich mit England verbunden habe, um die Unabhängigkeitsbestrebungen der Araber niederzuhalten, hinter denen der ganze Islam steht. Sir Herbert Samuel hat selber dafür gesorgt, daß über das letzte Ziel seiner Politik kein Zweifel bestehe. Am 2. Dezember 1919, aus einer Londoner Feier des Jahrestages der Balfourschen „Erklärung", sagte er in einer Rede*): „Die Schaffung eines zionistischen Palästinas stimmt überein mit den fundamentalen Zielen der britischen Politik. Es war Napoleon, der große Stratege, der gesagt hat, Palästina sei die richtige Schutzwehr für Aegypten. Für das britische, Weltreich, welches um Aegypten besorgt sein muß, ist es wesentlich, von der Seite Palästinas her gesichert zu sein. Und wenn. Britannien das Mandat über Palästina übernehmen sollte, wird es trachten müssen, dieses Land zu entwickeln, um ihm eine gedeihliche und erfolgreiche Zuknnft zu sichern. Jüdische Hirne, jüdischer Unternehmungsgeist, jüdi- .sches Vermögen, jüdisches Menschenmaterial ist am besten geeignet, dieses Ziel zu verwirklichen u n d so den Interessen des britischen Reiches als Ganzem z u d i e n e n (and so serve the interests of ihe British Empire as a whole)." EZ ist eine merkwürdige Tatsache, mit welch naivem Zynismus hier', die ganze Judenheit mit ihrer gesamten geistigen und materiellen Kraft in den Dienst des britischen Reiches als Ganzem gestellt wird. Das britische Reich umfaßt etwa 1k der Erdoberfläche und nahezu % der gesamten Menschheit. Juden aber beherbergt dieses Riesenreich im eigentlichen England etwa 275 000, in den gesamten Kolonien und Dominien weitere 145 000, zusammen also etwa 420 000, um ein Drittel, weniger als das Deutsche Reich, kaum den vierzigsten Teil der jüdischen Volksgesamtheit. Und doch kommt ein Mann, der bisher im geistigen und öffentlichen jüdischen, Leben ganz unbekannt war, dessen einziges Verdienst darin besteht, daß * n englischer Politiker istj und wagt es, als die Lebensaufgabe, als die Mission von ganz Israel hinzustellen, den *) Unter dem Titel: „Zionism. its ideals and practical hopes", herausgegeben von der zionistischen Organisation ln London. Beachtet die Anzeige: Philo Verlag!