Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-09-01
- Page
- 270 (sequence 1)
- Language
- German
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270 Im deutschen Reich Jüdische Rundschau. Es ist sehr erfreulich, daß die zionistische „Jüdische Rundschau" vom 2. Juni laufenden Jahres verkündet, daß ein Herr Or. Auerbach im roten „Tag" versichert habe, er denke nicht daran, die arabischen Grundbesitzer in Palästina zu enteignen. Fraglich ist nur, ob die Araber den roten „Tag"-lesen und ob sie überhaupt wissen, wer der Dr. Auerbach ist. Dagegen wissen sie sehr wohl, daß die „Führer", namentlich Licht heim und Ruppin, die Enteignung des arabischen Großgrundbesitzes als Forderung des Zionismus hinstellen. Im vorigen Hefte wurden die Worte Lichtheims zitiert, hier möge Ruppin zu Worte kommen. In seinem Buche „Der Aufbau des Landes Israel" (Berlin 1919, Jüdischer Verlag) entwirft er ein von kindlicher Naivität zeugendes Programm, wie das Land im Handumdrehen mit Juden bevölkert werden solle. Er weist (S. 120 ff.) darauf hin, daß in Neuseeland und in der Tschechoslowakei die Regierung auf dem Wege der Enteignung den Boden des Großgrundbesitzes in das Eigentum kleiner Landwirte überführt, und schlägt vor, die "palästinensische Regierung solle der künftigen Mischen Kolonisationsgesellschaft ähnliche Rechte emräumen. Aber der Haß der Araber und des ganzen Islam ist durch diese kindischen Enteignungspläne nicht allein erregt worden, sondern vielmehr noch durch das unablässige Geschrei nach einer jüdischen Majorität im Lande, die man so rasch als möglich schaffen müsse, dadurch, daß man eine halbe Million oder auch zwei oder vier Millionen Juden in der nächsten Zeit nach Palästina „hineinpacktl", daß man sämtlichen Juden der Welt das palästinensische Bürgerrecht unter englischer Oberhoheit zuspricht, wie es Max Nordau vorschlug, oder daß man den arabischen Scheichs den Rat erteilt, sie sollen mit ihrer halbnomadischen Bevölkerung auswandern, wie das Israel Zangwill getan hat. Es ist einfach eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, wenn man uns glauben machen will, daß die Ernennung des Sir Herbert Samuel zum englischen Oberkommissar die Araber beruhigt habe. Wir haben im vorigen Hefte gesehen,' wie wenig ihnen der Beschluß von San Remo imponiert hat, die Ernennung Samuels zum Oberkommissar hat das in noch geringerem Maße getan. Horen wir, wie die arabische Presse ihn begrüßt: „Suria Djanuöia" vom 29. Juni schreibt: „Die Ernennung des Oberkommissars für Palästina und die Erklärung des Landes zur nationalen Heimstätte der Juden ist der erste Schritt auf dem Wege von San Remo. Die Tatsache, daß die britische Negierung sich beeilt, diesen Beschluß zu verwirklichen, um die Hoffnungen der Zionisten zu erfüllen, ganz besonders aber die Ernennung Herbert Samuels zum Oberkommissar von Palästina betrachten wir als eine Vergewaltigung unserer Rechte, gegen die wir uns auf gelehnt haben und gegen d i e w i r uns stets a u f l e h n e n werden. Das Volk und die Presse erheben ihre Stimme und stellen ihre alten Forderungen und erstreben deren Verwirklichung." Drei große arabische Blätter brachten diesen Protest an der Spitze der Nummer in besonders sichtbarem Text. Die Zeitung „El Kuds" vom 1. Juli schreibt: „Die Ernennung des Oberkommissars wird den nationalen Geist im Harzen der arabischen Nation nicht erschüttern. Die Großmächte beachten unsere Forderungen nicht und treten damit unsere Rechte mit Füßen. Wir fordern Unabhängigkeit, Einheit des Landes, Verbot zionistischer Immigration, und von diesen F o r d e r u n g e n werden wir nicht a b l a s s e n. Wir werden n i ch t e r l a u b e n, b a ß -u rt f e r Land eine nationale Heimstätte des jüdischen Volkes werde. Das