Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Article
- Emanzipation und Zionismus
- Date
- 1920-09-01
- Page
- 264 (sequence 8)
- Language
- German
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264 Im deutschen Reich anderen-Menschen mit Feindseligkeit gegen die Juden anstecken? Was ja alles bei Juden gegen Nichtjuden unter Umständen ganz ebenso sein würde, ja, nach einigen Schmeckproben zu urteilen, im zionistischen Staat, wenn darin auch Deutsche, Engländer, Amerikaner usw. jüdischer Abstammung wohnen würden, auch bei Juden gegen Juden sehr ähnlich kommen dürfte. Oder soll darum sein Vaterland nicht sein Vaterland sein, weil das zionistische Nichtvaterland und Vorschußvaterland sein Vaterland sein soll; weil die armen, entwurzelten, keinevaterländischen Gefühle kennenden Zionisten glauben, das Gefühl für das Vaterland sei so eine Beliebigkeit? Soll er darum können, was er nicht kann: seine Gefühle aus sich Herausreißen? Und soll er wegen der fremden Zionistischen Neider den Treubruch gegen seine Liebe begehen? Sein Vaterland ist seine Liebe und sein Selbst, sein Herz, das ihn warmhält und seine Kleider: die zionistischen Kleider, wenn sie denn überhaupt Kleider sind, passen ihm nicht und wärmen ihn nicht — unser Herz ist es ja, welches die Kleider erwärmt, die uns erwärmen, wenn sie uns passen. Der Haß macht in der Tat die Menschen völlig sinnlos, sowohl die Gehaßten wie die Hasser. Die Antisemiten gar wollen — aus Haß gegen das jüdische Christentum und gegen die Bibel, die sie wie der Teufel erklären — in „ihre Religion", in germanisches Heidentum und ihre Tugend sich einhüllen! Du hüllest dich in deine Tugend ein — Das nenn' ich leicht gekleidet sein. Die Kleider machen's nicht: der Leib mit dem Herzen drin; und dem Deutschen jüdischer Abstammung kommt so wenig der Gedanke, daß er ein anderes Vaterland haben konnte als sein eigentliches deutsches Vaterland, wie wenig ihm der Gedanke kommt, daß er einen anderen Leib haben könnte als seinen eigentlichen Leib, und wenn dieser ihm noch so wehe tut. Das ist ihm eine Absurdität zu denken, daß nicht fein Leib sein Leib und daß nicht sein Vaterland sein Vaterland sei; daß nicht das Land und das Volk, mit dessen Leben und Sprache er so innig verwachsen und eins ist, und mit dessen Volksgenossen er bedeutende und herzliche Beziehungen hat, sein Land und sein Volk, sein solle, und wenn hundertmal und . tausendmal sein kranker Leib und sein krankes Volk ihm weh getan haben — so wird er sorgen und schaffen, daß sie gesund werden! Mit schönem Stolz hat einmal Gabriel Rietzer gesagt: Wie der Fürst Lichnowskt geäußert hätte, er halte sich darum nicht minder für einen Mann des deutschen Volkes, weil er einer bis jetzt bevorzugten Klasse angehöre, so hege er, Rießer, das gleiche Selbstgefühl, obwohl er sich zu einer bis jetzt zurückgesetzten Masse zählen müsse. (Gabriel Rießer war ein Deutscher jüdischer Abstammung, 1848 Vizepräsident der Nationalversammlung, zu deren edelsten Männern und stärksten Rednern er gehörte.) Er wird sorgen und schaffen, soviel er vermag an seinem Teil, daß sein krankes Volk wieder gesunde; gerade er, der Deutsche jüdischer Abstammung. Unser Vaterland hat keine Bürger heute nötiger als seine jüdischen, und daß