Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Article
- Emanzipation und Zionismus
- Date
- 1920-09-01
- Page
- 265 (sequence 9)
- Language
- German
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Zeitschan 265 sie als Deutsche feststehen gegen den Antisemitismus, ihn nicht anders betrachtend wie die Befehdung der übrigen Volksgenossen untereinander, wenn auch als die schlimmste dieser Befehdungen und als den gefährlichsten inneren Feind Deutschlands, der in unserer Zerrissenheit den ärgsten Riß macht. Es ist ein Kampf nicht allein um Deutschtum, sondern tatsächlich um Deutschland. An dem Unglückskriege hat nach den statistischen Aufstellungen jeder fünfte Deutschs jüdischer Abstammung teilgenommen, 8000 von diesen Juden sind im Kampfe gefallen, ungefähr 2000 sind zu Offizieren befördert worden*), 900 erwarben das Eiserne Kreuz, erster Klasse, 17 000 das Eiserne Kreuz zweiter Klasse: an diesem Kampf gegen den Antisemitismus müssen alle Deutschen jüdischer Abstammung teilnehmen, alle Männer und alle Frauen und noch fünfmal mehr denn sich auszeichnen — es ist Kampf um die Gesundung, um die Erhaltung Deutschlands! Durch die Presse geht die Nachricht über die Behandlung der Judenfrage in der ungarischen Nationalversammlung. Es soll dort der Antrag eingebracht worden sein, die Judensrage, deren Vorhandensein für Ungarn auch der Minister bestätigt habe, dahin zu lösen, daß den Juden verboten werde, mehr als einen Grundbesitz zu haben, daß sie kein öffentliches Amt ausüben dürfen, daß sie keine christlichen Dienstboten halten sollen. Alle Juden, die der Teilnahme am Bolschewismus verdächtig seien, sollen ohne weiteres der Todesstrafe verfallen. Der Herr Antragsteller hätte es sich bequemer machen können. Er hätte ganz einfach beantragen können, daß die Zustände wieder eingesührt werden, die zur Ghettozeit geherrscht haben. Denn das, was vorgeschlagen wird, ist ja nichts weiter als eine Wiedereinführung mittelalterlicher Zustände. Interessant ist, daß die „Deutsche Zeitung" dazu bemerkt, sie halte die hier vorgeschlagene Lösung der Judensrage, über die übrigens das ungarische Parlament in Verhandlungen eintreten wollte, doch nicht für recht glücklich. Wahrscheinlich hat die Redaktion der „Deutschen Zeitung" in diesem Augenblick einen der seltenen Fälle ihrer iucida intervalla gehabt, in dem sie eingesehen hat, wohin praktisch ihre antisemitische Politik führt. Denn daß es auch in Deutschland nicht wenige gibt, die am liebsten die Ghettomauern wieder ausgerichtet hätten, ist bekannt. Ob aber das gerade für Deutschland ein Glück wäre, darüber scheinen sich auch die Autisemiteu nicht recht einig zu sein. *) Nach Leiser, Die Juden im Heer, Berlin, Philo Verlag: 2000 bis 2291.