Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Article
- Emanzipation und Zionismus
- Date
- 1920-09-01
- Page
- 262 (sequence 6)
- Language
- German
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2G2 , Im deutschen Reichsind Juden, die nicht herauswollen aus dem Ghetto, meist Ostjuden, die noch nie heraus waren und nun die Arbeit und den Kamps nicht auf sich nehmen wollen, um herauszugelangen, und die sich sträuben gegen die Emanzipation. Die Juden alle müssen aber heraus aus dem Ghetto und dürfen nicht fallen, weder in die Konfusion, vor km Zionismus noch in die Verzweiflung nach dem Zionismus, nach der unausbleiblichen ungeheuren Enttäuschung; und ebenso müssen sie heraus aus aller Verkehrtheit über die Emanzipation, deren'Wahrheit nicht ist, daß die Juden assimiliert, ununterscheidbar von den Nichtjuden, sondern daß sie nach ihrer Besonderheit allgemein anerkannt und von sich selber ersaßt werden .nach der wahrhaften Eigentümlichkeit ihres Wesens. Die dürfen die Deutschen jüdischer Abstammung so wenig aufgeben wie andere Deutsche ihre Eigentümlichkeit aufgeben dürfen*). Die Deutschen jüdischer Abstammung haben ihre Eigentümlichkeit ebenso zu pflegen wie alle unnötige Unterscheidung aufzugeben. Ihre Eigentümlichkeit darf nicht ausgegeben werden. Ihre Eigentümlichkeit ist gleichbedeutend mit ihrer Wahrhaftigkeit und mit ihrer Naivität. Daher dürfen sie ihre Eigentümlichkeit so wenig aufgeben wie ihre Wahrhaftigkeit und ihr Wahrheitsgefühl und ihre innerliche Freiheit und ihr Selbst. ° Ihre Eigentümlichkeit ist ihre Freiheit imb ihr Selbst, deswegen ist ihre Emanzipation zur Freiheit das Anerkanntwerden nach ihrer Eigentümlichkeit; und diese Emanzipation wird, bei dem Charakter der Menschheit und der Stellung-der Juden in der Gesellschaft, für die Juden stets noch um vieles unvollkommener bleiben als für die übrigen Menschen. Nichts ist klarer, sobald man die menschliche Gesellschaft und die Schwankheit des Standes der Juden in dieser Gesellschaft versteht und aushört mit dem Schnickschnack von Gerechtigkeit, Humanität, Aufklärung usw. Die menschliche Gesellschaft oder das Füreinanderleben aller Zugehörigen, die doch nicht füreinander leben können, ohne auch zugleich gegeneinander zu leben; die Gesellschaft der Ehrenhaften, deren jeder für sich selbst die positive Ehre will, dem andern aber nicht einmal *) „Als Deutsche haben sie freilich auch ihre Eigentümlichkeit, aber was ist damit, wenn man nicht vergißt (wie ich mir erlaubt habe, nicht zu vergessen), daß alle Deutschen, daß alle Menschen ihre Eigentümlichkeiten besitzen. Nicht wahr? so fanden wir: durch ihre Eigentümlichkeiten haben die einzelnen Menschen Teil am Leben, durch ihre Eigentümlichkeiten gehören die Gruppen von Menschen dem nationalen Leben an; im Reichtum der ■ Eigentümlichkeiten entfaltet, sich auch das nationale Leben. Wir haben gesehen: die, Zugehörigkeit zur jüdischen Rasse hindert dabei so wenig Deutsche zu sein wie die Zugehörigkeit zur germanischen Rasse hindert, Deutscher oder Engländer zu sein. Durch Rassenbewußtsein und NatronalbewußLsein wird das Individuum nicht gespalten; wir kamen überein, daß das Rassenbewußtsein der Sphäre des Gesellschaftlichen angehört, -welches dem Politischen und Nationalen nicht entgegensteht, daß vielmehr die Kopulierung der beiden gefährlich ist — auf der Hochzeit des Rassen- und Nationalbewußtseins Lanzen die Antisemiten und freuen sich auf das Mordkind der Ehe, auf die Zwietracht." („Der. Judenhaß und die Juden." S. 392, 393.)