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Im deutschen Reich · 1920-09-01 · Heft 9 (September 1920) · p. 261

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 9 (September 1920)
Article
Emanzipation und Zionismus
Date
1920-09-01
Page
261 (sequence 5)
Language
German
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Emanzipation und Zionismus 281 wissen sollte wenigstens, was es nicht ist und nicht sein kann: Gerechtigkeit gegen die Juden, und was eine so lange Sache der Geschichte ist, das wollte man im Handumdrehen abmachen. Die Juden selbst glaubten ebenso und hielten die Emanzipation für die Gerechtigkeit und die schnellstens sich vollziehende Assimilation. Und nun es mit der Gerechtigkeit und mit der Assimilation nichts werden will, lassen sie sich von den Zionisten ihr Programm schreiben. Aber so wenig ihnen die Assimilation nach ihren verkehrten Vorstellungen davon möglich ist, ebensowenig ist ihnen der Zionismus möglich, der ja nichts andres in ihnen ist als das. Sichnicht-assimiliert-wissen und Verzweiflung daran, daß es mit der Gerechtigkeit werden konnte, und die erbärmliche Tollheit, sich als das vorzustellen, was sie nicht sind, und vollführen zu wollen, wozu ihnen alle Kraft abgeht; bei solchen Eselsohren ist an ihren Löwensprung nicht zu glauben. Juden sind sie, aber keine Zionisten, und können keine werden; sie sind Deutsche, Engländer, Franzosen usw. jüdischer Abstammung — so wie andere Deutsche, Engländer, Franzosen usw. anderer Abstammung sind. Keiner der übrigen Deutschen, Engländer, Franzosen, von welcher Abstammung er sei, will anderes sein als Deutscher, Engländer, Franzpse, keiner will seine Abstammung werden, keiner kann seine Abstammung werden; nur die zionistischen Juden wollen ihre Abstammung werden und das wieder, was ihre Urahnen einmal gewesen. Nimmer; dazu kann niemand sie wieder machen. Die Antisemiten machen Juden, aber sie können nicht wirkliche'Zionisten machen, das ist von den Antisemiten nicht zu verlangen; und der ganze Vorteil, den die Juden als Juden durch den von den Zionisten gemachten Wind für ihre Segel haben würden, geht ihnen durch den größeren Ballast des Zionismus wieder verloren. Wieviel Zionist, soviel weniger Jude. Zionisten sind Juden von babylonischer Phantastik und Verwirrung, die einander nicht nur in den Haaren, sondern auch in den Begriffen liegen. Der Zionismus macht nicht Zion, sondern Babel; der Zionismus macht Juden, die, ohne Land, nur auf ihrem babylonischen Turm, ohne einheitlich verbindendes Bewußtsein und Sprache, von sich selbst als von einer kulturellen (!) und politischen Nation radotierend, sich selbst ins Ghetto zurückradotieren. Es ist erschreckend, welche Fortschritte in gewissen Kreisen der .Juden das geistige Ghetto oder der Zionismus bereits gemacht hat. Der Zionismus ist die ärgste Gefahr für die Juden und bringt sie, kopflos mit dem Kopf hindurch, um ihr Vaterland — denn wenn sie Zionisten sind und zum jüdischen Volk gehören, so gehören sie nicht zum deutschen Volk und zu keinem anderen Volk; so sind sie, nach ihrem eigenen Eingeständnis, Fremdlinge im deutschen Volk und in jedem anderen Volk. Oder macht sie etwa der Zionismus zum „jüdischen Volk" im gelobten Lande? Nein, er bringt sie plumps hinein, zurück ans Ghetto im ungelobten Lande. Ihr Haus braucht nicht im Ghetto zu stehen: sie lassen sich das Ghetto ins Haus kommen. Aus diesem Zionismus, seiner kreisenden Konfusion und Chaos, aus dem Ghetto müssen sie herauß — die Zionisten

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