Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Article
- Emanzipation und Zionismus
- Date
- 1920-09-01
- Page
- 260 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316900-2316908-2357732--31336-2357796- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
260 Im deutschen Reich wandelt sich wieder in Gerechtigkeit und die Emanzipation der Juden erscheint als ein Unglück oder doch keineswegs als geglückt. Und doch würden ihre kühnsten und begeistertsten Verfechter auch im Traum nicht für möglich gehalten haben, daß so sie glücken könnte, wie sie geglückt ist. Sie hätten gelächelt über die Prophezeiung, die Deutschen jüdischer Abstammung würden wenige Generationen nach ihrer Emanzipation ausgezeichnet sein gleich den übrigen Deutschen in Philosophie, Kunst, Literatur, Wissenschaft, Technik, in allen Berufen und in der Politik, und so deutsch, daß keine Partei in Deutschland sein würde, die nicht ihr politisches Programm von Deutschen jüdischer Abstammung empfangen hätte. Das ist nicht prophezeit worden und ist gekommen; nun es aber gekommen, sieht es alles'anders aus, als wie es aussieht, und die Allgemeinheit glaubt noch genau wie im Mittelalter, daß die Juden schuld seien an allem öffentlichen Unglück, Krieg und Hungersnot, und ist also gar nicht fortgeschritten und gar nicht aufgeklärt infolge ihres Fortschritts und ihrer Aufklärung; was nicht ergeht über die Juden wie im Mittelalter, das wird gehindert durch die veränderten Verhältnisse, nicht durch die Menschen. Die Menschen haben sich nicht verändert, der Geist der Gesellschaft hat sich nicht verändert, der logische und geschichtliche Unsinn und der die Menschentiere schändende Menschenhaß des Antisemitismus ist geblieben; weil die Gesellschaft selber Boden und Wurzel des Antisemitismus, wächst dieser wieder an und hat Macht und Reichweite fast wieder über die ganze Gesellschaft. Die Juden haben nun das Edikt voll Recht und eine Welt voll Unrecht nach wie vor. Bestehen blieb die Treulosigkeit dieser Gesellschaft gegen die Juden, die von ihr betrogen werden um soviel, als es angeht, um die Ehre. Die Juden bleiben im wesentlichen die Rasse ohne Ehre. Daran könnte geändert werden durch dreierlei: durch Aenderung und Besserung ^des Menschheitscharakters, oder dadurch, daß den Juden Macht Zur Erzwingung ihres Rechts in die Hände fällt, oder durch Aenderung und Besserung der äußeren Gesellschaftsverhältnisse. Das erste und zweite scheint ausgeschlossen: durch das dritte, durch Besserung der Verhältnisse, hat sich's bereits für die Juden gebessert und wird sich weiter bessern. (Hierher gehört auch, was eine weitere Besserung der Verhältnisse bedeuten würde, die oben empfohlene Strafe auf die Allgemeinbeleidigungen und Verleumdungen.) Es wird sich weiter bessern um so schneller, je schneller die Juden wieder zurückkommen vom Zionismus, welcher für die Arbeit der Emanzipation, soweit sie ihnen obliegt, eine gefährliche Störung bedeutet. Zionismus ist ein Irrtum,, genau so verhängnisvoll wie Assimilation; das muß gesagt werden, so vorzüglichen Ruhm auch beide schon erlangt haben. Mit der Emanzipation war den Juden die Aufgabe der Selbstemanzipation aus ihrer Isoliertheit zugefallen, und diese Aufgabe hatten sie verwechselt mit dem Sich-Assimilieren. So hatte man allgemein gedacht: die Emanzipation, der Juden, das ist ihr Sich-Assimilieren den Nichtjuden; und wovon man gar nicht wissen konnte, was. es denn ist, und wovon man