Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-07-01
- Page
- 248 (sequence 10)
- Language
- German
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248 Im deutschen Reich ausländische Juden, betreffs Einwanderung, A n - siedlung, Einbürgerung anders zu behandeln als ausländische N i ch L j u d e n. — In bezug aus P a l ä st i n a wäre für uns Juden mit der Anerkennung dieser beiden Sätze alles erreicht, was wir von außen her zu einer gedeihlichen kolonisatorischen Tätigkeit nötig haben; sonst war es für uns vollkommen gleichgültig, ob das Land unserer Väter unter arabischer, türkischer oder, englischer Herrschaft steht. Eine ^ordnete europäische Verwaltung haben die Araber ebenso nötig wie wir. — Außerdem war es Pflicht Zeines jeden, der es aufrichtig gut mit den Juden meinte, alle Mühe darauf zu verwenden, daß überall in der Welt dem Antisemitismus entgegengearbeitet., die Gegensätze abgeschliffen, die Mißverständnisse geklärt, der Groll beschwichtigt, der Haß abgebaut werde. Gerade das Gegenteil davon ist geschehen. Haben; wir als religiöse Sondergemeinjchast nicht genug des Hasses und der Verfolgungen zu tragen gehabt, so hat man uns dazu auch noch eine künstlich geschaffene national-politische Sonderheit aufgeladen — in einer Zeit, da der Fremdenhaß, der gegenseitige Haß zwischen den Nationalitäten in fortwährendem Steigen begriffen ist! Anstatt Pogrom und Boykott zu löschen, hat man sie dort entzündet, wo siebisher unbekannt waren. Die Verquickung der Judenfrage, in den Golusländern wie in Palästina, mit der hohen Weltpolitik war eine der s ch l i m m st e n I r r e § ü h r u n g e n, der die Judenheit je zum Opfer gefallen ist. Obgleich es unschwer ist, auf dem Papier eine halbe oder auch eine ganze, vier, sechs, fünfzehn Millionen Juden nach Palästina „hineinzupacken", so geht doch die Wirklichkeit ihre eigenen Wege. Nicht nur aus dem Orient und Palästina zieht eine Emigration nach Amerika, aus Osteuropa wandern schon jetzt, trotz des mangelnden Schiffsraumes, zehntausende Juden dorthin aus. In B u e n o s A i r e s hat sich bereits nach nordamerikanischem Muster eine Gesellschaft zum Schutz der Einwanderer gebildet. In Nordamerika macht sich seit längerer Zeit eine starke judenfeindliche Stimmung geltend, in Südamerika, wo bisher 160 000 Juden friedlich lebten, regt sich, durch den Weltkrieg angefacht, ein nationalistischer, mit religiöser Unduldsamkeit reichlich durchsetzter Antisemitismus („Haolam" Nr. 30). Hier und dort wird der Antisemitismus mächtig geschürt von — 4 Millionen Polen, welche durch die verkehrte Politik der amerikanischen Juden ins feindliche Lager gehetzt wurden, durch die Araber und Syrer, welche eine hefhige Agitation gegen die „Zerstückelung" ihres Vaterlandes betreiben, und durch die in der ganzen romanisch-katholischen Welt herrschende, von Frankreich angefeuerte Abneigung gegen ein Jewish Palestine. Zündstoff ist also genug vorhanden. Wie nun, wenn in Amerika ein Widerstand gegen die jüdische Einwanderung sich erheben würde, wie er unter den Arabern Platz gegriffen hat? ... In SiDamerika blüht und gedeiht ein seit 1893 von der Jewish Colonisation Association unterhaltenes landwirtschaftliches Siedlungswerk, welches an Ausdehnung und wirtschaftlich er Tragweite das ganze palästinensische in Schatten stellt. Würde dieses Werk vernichtet, oder auch nur in der Entwicklung gehemmt, so wäre das eine, förmliche Katastrophe. Mitten im Taumel über den Erfolg von San Remo täte man in Amerika vielleicht gut daran, über die.Frage ein wenig nachzudenken. . . . Und man täte auch gut, bei uns darüber nachzudenken. Man sollte sich klar darüber werden, daß wir keinen Anlaß und auch keine Möglichkeit haben, in Dinge einzugreifen, die nun endgültig Gegenstand der ausländischen Politik geworden sind. Würde man sich dessen bewußt, würde man endlich ruhige und objektiv die Dinge betrachten, dann würde man sich endlich zu gemeinsamer Arbeit zusammenfinden da, wo es nötig ist und^wo wir die Möglichkeit zur Arbeit