Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-07-01
- Page
- 247 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316900-2316907--31295-2357707- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdische Rundschau 247 „daß das Kalifat beim Sultan, und daß die heiligen Stätten unter /islamitischer Herrschaft verbleiben. Das ist eine Forderung unserer religiösen Ueberzeugung, die allen anderen vorangeht. Wir wollen zwischen Arabern und Türken denFrieden wieder her stelle n< Die heiligen Städte, darunter Mekka, Medina, Jerusalem, müssen unter mohammedanischer Oberhoheit verbleiben, die Mohammedaner werden nie e i n w i l l i g e n , - daß hier eine Fremdherrschaft aufgerichtet werde, sei es in der Form eines Protektorats oder eines Mandates. Gegen die vernünftigen Forde Zungen der Juden ist nichts e i n z u w e nde n, und s i e e n th a l t e n n i ch t s , w a s hindern könnte, d a ß d i e O b e r h o h,e i L über Palästina in mohammedanis cher Hand verbleib e." Wir haben gesehen, wie wenig der Beschluß von San Remo den Arabern imponiert hat. Wenn sie hören, daß man eine halbe Million, zwei, vier, sechs Millionen Juden nach Palästina „hineinpacken" möchte, so sagen sie sich: hier braucht man nicht einen Staat für die Juden, sondern Juden für einen Staat; den Staat, d e n b r a u ch L E n g l a n d. Die uns verhaßte Fremdherrschaft soll einen neuen Stützpunkt bekommen, und diesen sollen ihr nicht alteingesessene Landesbewohner bieten, sondern Einwanderer, die erst kommen werden, um sich ansässig zu machen. Sie kommen nicht allein, wie bisher; sie bringen uns den fremden Beherrscher ins Land,. den sie angeblich zu ihrem Schutz brauchen, obwohl wir ihnen bisher nie ein Leids angetan, sie nie gestört haben, sondern umgekehrt, uns'freuten, mit ihnen zusammen Zu arbeiten. — In Wirklichkeit brauchen die Juden in Palästina keinen Staat; auch wenn sie dort in genügender Anzahl vorhanden wären, müßten Jahrzehnte vergehen, bis sie hinreichend mit dem Boden verwachsen und die nötigen organischen Kräfte zur Bildung, Erhaltung und Verteidigung eines Staates herausbilden. Was die Juden brauchen, ist die Möglichkeit, ungehindert nach Palästina einzuwandern und sich wirtschaftlich, besonders landwirtschaftlich, zu betätigen. Dazu aber wäre vor allem notwendig, die vorhandenen Widerstände zu beseitigen, nicht aber durch Androhung einer Mgsseninvasion, zwecks Herstellung einer jüdischen Mehrheit, durch geplante Enteignung und vor allem durch Etablierung der englischen Oberhoheit die Araber zu erbittern, ihren Haß und den des ganzen Islams zu wecken. Die „nationale Heimstätte", die in den Augen der Araber nichts als ein Bollwerk der gegen sie gerichteten englischen Orientpolitik erscheinen muß, ist nicht nur keine Förderung, sondern eine arge Bedrohung, vielleicht eine völlige Lahmlegung der landwirtschaftlichen Besiedelung Palästinas durch Juden, einer Idee, die keinen einzigen Gegner, dagegen zahllose begeisterte Anhänger unter den Juden aller Länder und aller Richtungen hatte. Ebenso brauchen die Juden in den Golusländern keine Sonderrechts, keine nationale Autonomie, sondern Ausbau und Befestigung der Emanzipation. Aber England braucht beides. Die Zionisten gefielen sich darin, hohe Politik, Weltpolitik zu treiben, und ahnten nicht, daß sie nur für England arbeiteten.- Wer es gut mit den Juden meinte, der hatte die Pflicht, von den Machten die volle Verwirklichung der von allen zivilisierten Staaten im Prinzip längst anerkannten bürgerlichen und politischen Gleichberechtigung der Juden zu fordern, die sich in den Satz zusammenfassen läßt: Kein Staat hat das Recht, die einheimischen'Juden anders zu de ha adeln als die einheimischen Nichtj u d e n. Allein die Gleichberechtigung ist so lange unvollkommen, bis sie nicht durch den Satz ergänzt wird: Kein Staat ist berechtigt, Beachtet die Anzeige: Philo Verlag!