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Im deutschen Reich · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. 245

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1920-07-01
Page
245 (sequence 7)
Language
German
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Jüdische Rundschau 245 gleich,kommen." In einer Depesche der „Wiener Morgenzeitung" vom 8. Mai sagte Nordau, die Hauptsache sei jetzt, „in der nächsten Zeit nach Palästina mindestens eine halbe Million Juden — ich scheue das Wort nicht — hineinzu packe n". Und Davis TriersA wendet sich aufs schärfste gegen alle, die sich zum Minimalprogramm Lichtheims — 1,5 Millionen in dreißig Jahren — bekennen und nicht unerschütterlich glauben, daß alle 15 Millionen Juden schon in .der n ä ch st e n Zeit in Palästina Platz finden. Aber in der Proklamation, welche den Einwohnern Palästinas den Beschluß von San Remo verkündete, heißt es: „Die Einwanderung nach Palästina wird zugelassen werden nur in dem Maße, als die Einwaage r e r s ü r d i e Entwicklung desLandes notwendig seinwerden. Die Einwanderung wird unter der Kontrolle der britischen Landesregierung stehen. Keiner der jetzigen Grundbesitzer wird enteignet; gewinnbringende Konzessionen, aus denen anderen Nachteil erwachsen könnte, werden weder an einzelne, noch an Gesellschaften erteilt. Großbritannien regiert im Lande, und sobald der Zeitpunkt gekommen sein wird, in irgendeiner Form eine parlamentarische Landesregierung einzuführen, wird Großbritannien nicht z u l a s s e n, daß die Mehrheit von der Minderheit vergewaltigt werde." Die halbe Million, die Nordau „hineinpacken" will, dürfte also auf beträchtliche Hindernisse stoßen. Was aber die. Spottöilligkeit des Hauserüaues anbetrifst, so erfahren wir hierüber aus der Jerusalemer Presse merkwürdige Dinge. In ganz Mesopotamien, Syrien und Palästina herrscht nämlich eine derartige Teuerung in Leb ensmiLteln und Wohnungen, daß"dis Auswanderung nach Amerika beunruhigende Dimensionen, a n g e n o m m e n h a t Und wie in Palästina ein Bollwerk englischer Orientpolitik, so sollen die Juden in den Staaten des zerstückelten und balkanisierten Europa Stützpunkte der englischen Kontinentalpolitik bilden. Das System der „Stützpunkte" über den halben Erdball ausgebreitet, war ja seit jeher ein Hauptpunkt des englischen Imperialismus. Gleich wie Deutschland und Oesterreich-Ungarn in den Jahren 1914—1618, so soll jetzt Polen im Bunde mit der Ukraine den Krieg Englands gegen Rußland führen. Ein Bündnis dieser Länder, zu denen später Ungarn und Jugoslawien hinzukommen sollen, unter englischer Aegide, mit der. Front nach Osten, bietet einen mehrfachen unschätzbaren Vorteil. Es lenkt Rußland von Asien ab und bindet seine Kräfte in Europa. Es bildet einen unübersteigbaren Wall zwischen Rußland und Deutschland, der das Einvernehmen dieser beiden Lander gegen England verhindert. Es sichert England die kommerzielle Vorherrschaft in Osteuropa in den fruchtbarsten und reichsten Gebieten, von der Ostsee (Danzig) bis zum Schwarzen Meere, Gebieten mit den reichhaltigsten O e l f e l d e r n von Europa, und macht es in der Lebensmittelversorgung von Amerika unabhängig. Die 10 bis 12 Millionen Juden dieser Länder wohnen in den Städten, halten Handel und Gewerbe in Händen und bilden einen wichtigen Faktor in der Wirtschaftspolitik; zwischen ihnert und der Mehrheitsbevölkerung herrscht eine starke Spannung, die in den letzten Jahren sehr scharfe Formen angenommen hat und noch lange anhalten dürfte. Diese Juden bedürfen des Schutzes von draußen um so mehr, je mehr Gegensätze zwischen ihnen und der Mehrheitsbevölkerung bestehen und je weniger gemeinsame Interessen und Sympathien beide Parteien haben, je mehr sie durch Sonderrechte voneinander geschieden sind. Wer -den Juden diesen Schutz von

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