Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-07-01
- Page
- 243 (sequence 5)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau 243 Das Blatt sieht in der Balfourschen Deklaration und dem Beschluß von San Nemo nur eine Vorbereitung zur schrittweisen Einverleibung Palästinas in das Britische Reich, in dieser oder jener Form werde Palästina zur englischen Krone gehören. Was „national home“ bedeute, ist aber auch den Führern der Zionisten selber noch nicht klar geworden. Weizmann verlangte die Möglichkeit, „als modernes Volk iw Lande der Väter zu leben", was die Sache wahrlich nicht aufhellt. Max Nord au dagegen machte anfangs Januar den Zionistenführern den Vorwurf, sie hätten die zionistischen Forderungen ungebührlich hinuntergeschraubt und anstatt des JudenstaaLes nur eine Heimstätte erlangt. In einer öffentlichen „Botschaft" erklärte er, er rechne damit, daß Palästina unser sein wird, nicht als „Homeland", nicht als. kultureüss Zentrum, sondern einfach als unser Land und unser Staat. Wer mit weniger zufrieden ist, als einem jüdischen Staat, der vorerst unter dem Schutz Englands als Mandatars und nachher in Unabhängigkeit dasteht, ist kern p o l i - tischerZionist, sondern etwas ganz anderes, für das er sich erst irgendeinen beliebigen Namen erdenken und auswählen kann. Einige Tage darauf wurde er milder gestimmt und erklärte, man so3e die Diskussion über die Begriffe Staat und Heimstätte aüsgeben, diese werde das sein, was wir daraus machen... Natürlich wird sie das sein, was nicht wir, sondern die Engländer daraus machen. Was diese aber daraus machen wollen, erklärte uns ganz unzweideutig das Organ des' englischen Regierungs-Zionismus „Palestine" noch im Juni 1919. Ich zitiere nach dem Leitartikel in der Nr. 50 des Mährisch-Ostrauer „Jüdischen Volksblattes",eines der zahlreichen zionistisch-nationalistischen Organe,, die gleich nach dem Sieg der Entente in Mitteleuropa wie Pilze aus^ dem Boden schossen und eine riesige Verbreitung fanden,' trotz des enormen Papiermangels und des großen Elends der jüdischen Bevölkerung — ohne daß jemand danach fragte, wer hinter diesen die ganze öffentliche Meinung mächtig beeinflussenden Blattern stand und woher sie ihre Informationen schöpften. Er lautet: Die englische Zeitschrift „Palestine" schreibt unter dem Titel „Palästina und die äußere Politik"': Wir betrachten die Forderung eines j ü d i s ch e n P a l ä st i n a s unter britischem Schutz als das Ergebnis zweier Bestrebungen: des Streöens nach Gerechtigkeit und des Strebens nach dem Schutz berechtigter Interessen. Es ist nicht unmöglich, daß bei der Menge von Geschäften, welche die Geister in Paris beschäftigen, die große Bedeutung eines . jüdischen Palästina für Großbritannien in Gefahr gerät, übersehen zu werden.' Wir wollen sie darum nochmals darlegen. Die ganze britische Herrschaft im Orient hängt an Palästina und dem Suezkanal. Ein jüdisches Palästina ist die größte, ja wir wagen zu sagen, die einzige Sicherstellung dafür. Die ganze Preßhetze, die in der jüngsten Zeit geführt wurde, um den Anschein zu erweäen, als ob das Aegypten und der nahe Orient englandfreundlich wären, und diese Leute, die diese Hetze geführt haben, werden in Zukunft schwerlich ihren Charakter ändern. Es ist auch kaum anzunehmen. daß die Agitation selber schwinden wird Wenn auch noch so bedeutende Fortschritte in der Solbstregierung gemacht werden, so wird das doch niemals jener Minderheit genügen, welche vollständige Beseitigung jeder westlichen und in allererster Linie der britischen H e r r s ch a s t im Orient verlangt. Die Masse der Bevölkerung, die heute und wohl noch für manche Jahre hinaus kein tiefes politisches Verständnis hat. wird immer einer Agitation ausgeliefert sein, die an die religiösen Leidenschaften appelliert. Wir sagen und wir glauben nicht, daß diese Agitation als