Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-07-01
- Page
- 242 (sequence 4)
- Language
- German
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242 Im deutschen Reich ScharaL" schreibt: „Die BaLfoursche Deklaration hat Haß gestiftet zwischen den Landesbewohnern und den englischen Eroberern, zwischen den arabischen Bürgern und den Juden. Analysiert man jedoch die Deklaration, so findet man, daß sie den Juden vielerlei gewahrt, aber nichts gibt, den Bürgern (so werden im Gegensatz zu den Juden die Araber bezeichnet) alles verweigert und ihnen nichts wegnimmt. Wir verlieren nichts und die Juden gewinnen nichts., Die Worte: „die Regierung Seiner britischen Majestät wird mit Wohlwollen die Gründung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina betrachten", sind ja geknüpft an die Bedingung, daß „dadurch die religiösen und politischen Rechte der anderen Landesbewohner nicht angetastet werden. Daraus geht hervor, daß die Schutzmacht in allen Angelegenheiten das entscheidende Wort sprechen wird. Wir können uns nun nicht vorstellen, daß die britische Regierung jemals etwas an ihren Versicherungen und Bedingungen ändern sollte. Wenn die Juden die Balfoursche Deklaration auf ihre Weife erklären, was hindert uns, sie zu unseren Gunsten auszulegen? Wenn die englische Regierung nichts von ihren Versicherungen an die Juden zurücknehmen wird, wird sie etwa uns gegenüber ihr Versprechen nicht halten, daß an unserm Rechte nicht gerüttelt wird? Bleibt nur noch die Bedeutung von zwei Ausdrücken zu verstehen, die in der Deklaration Vorkommen; neue Ausdrücke, die nach dem Waffenstillstand geprägt wurden, und dazu bestimmt sind, der Welt Sand in die Augen Zu streuen und sie irrezuführen. Wir bitten höflichst, die Regierung möge den Nebel, der diese zwei Wörtchen umhüllt, etwas zerstreuen. Zunächst, was ist das: ein Mandat? In keinem weltgeschichtlichen Beschluß über die Zukunft eines Volkes ist dieses Wort bisher vorgekommen Was versteht man darunter? Soll das Annexion bä-euten, aus der eine Kolonie wird, oder Annexion schlechthin? Oder soll dadurch das Volk einmal fähig gemacht werden, schließlich sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen? Warum ist dann Syrien in Zonen zwischen Frankreich und England geteilt worden? Das andere unklare Wort ist „national home“. Die Juden deuten es auf vielfache Weise. Die einen verstehen darunter einen unabhängigen Judenstaat, und die Führer rüsten sich schon, dem Lande Verfassung und Gesetz zu geben. Andere meinen, das bedeute, daß den Juden freistehe, gleich anderen Völkern einzuwandern und friedlich im Lande zu wohnen und zu arbeiten. Wenn dem so ist, haben die Juden vorher, ohne das national home, dies es Recht nicht gehabt? Ist ihnen je ein Unrecht widerfahren, wurden ihre Rechte je angetastet, ist ihnen je Gewalt angetan worden, seit sie anfingen, sich bei uns anzusiedeln?" Wieder andere behaupten, daß dieses Land die Heimat aller Juden der Welt.werden soll, daß sie sämtlich Herkommen werden, um hier zu wohnen. Wir haben einen hoher: englischen Würdenträger gefragt, was das Wort bedeutet; er antwortete: „Ich weiß es nicht; vielleicht weiß es der liebe Gott." ,,Die Juden glauben," fährt das Blatt fort, .,.daß England ihnen Palästina gegeben habe, und sie hier regieren werden.- Was aber bedeuten dann die Worte, daß England die Macht behält und nicht erlauben wird, daß die Mehrheit von der Minderheit beherrscht werde? Die Mehrheit sind w i r, die eingeborenen arabischen Bürger. Dre Wund erg läubigen unter den Juden hoffen, daß sie nach L5 Jahren die Mehrheit bilden werden, sie vergessen, daß bis dahin unsre Zahl sich verdoppelt haben, also auf P/2 Millionen angewachsen sein wird. Das Land wird die Bevölkerung nicht fassen. Und was soll aus der zweiten und zweitnächsten Generation werden? Nein, wir müssen dafür sorgen, daß die Juden immer in der Minderheit bleiben."