Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-07-01
- Page
- 237 (sequence 5)
- Language
- German
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Zeitschair 237 Hier sieht men wieder einmal besonders schlagend, wie sehr die Gegner sich der Lüge bedienen oder besser: bedienen müssen. Die von ihnen angegebenen Zahlen sind, selbst wenn man die niedrigste der genannten Ziffern annimmt, mehr als um das Doppelte übertrieben. Aehnlich verhält es sich mit den, Zahlen der ostjüdischen Einwanderung im Reiche. Das, was man den Juden gegenüber stets zu tun Pflegt, das geschieht auch hier: man verallgemeinert. Hat der eine oder andere dieser ostjüdischen Einwanderer etwas begangen, das den Gesetzen widerspricht, oder macht er sich eines Lebenswandels schuldig, der nicht im Einklang mit unserer Auf-- fassung eines ordnungsmäßigen Lebenswandels steht, so Heißt es, die o ft j ü d!i s ch e n Einwanderer i n i h r e r G e s a m t - heit lebten so wie dieser einzelne. In der den Gegnern eigenen „Logik" knüpft man daran die Folgerung, daß die deutschen Juden diese Ostjuden herbeigerufsn hätten, zum mindesten ihre Einwanderung förderten, um chre Macht zu vergrößern, um ihren verderblichen Einfluß zu stärken. Wan nimmt sich, wie-es so üblich ist, dabei nicht die Mühe, die tatsächlichen Verhältnisse und die historische 'Entwicklung zu betrachten. Täte man das, so würde man sehr schnell. finden, daß der erste Anstoß zu dieser Einwanderung gegeben ist durch Maßnahmen, die die deutsche. Militärverwaltung während des Krieges getrosfen hat, als sie eine, sehr erhebliche Anzahl ostjüdischer Arbeiter nach Deutschland zog. Diese sind zum Teil hiergeblieben; ihnen kommen nun andere nach, denen die gegenwärtigen sehr bedrohlichen Verhältnisse in ihrem Heimatlande einen Aufenthalt dort unmöglich machen. Daß die deutschen Juden diese Einwanderung nicht fördern, liegt für jeden Vernünftigen auf der Hand! Und ebenso muß es für jeden Klarschauenden selbstverständlich sein, daß unter diesen ostjüdischen Einwanderern Menschen aller Art sich befinden. Wie immer haben wir auch hier gute und weniger gute, politisch zurückhaltende, politisch fähige und politisch unberechenbare Menschen zu scheiden. Jede Verallgemeinerung ist, mit einem Worte gesagt, eine Unsinrngkeit. ■ ■ i Die Tatsache der Einwanderung besteht aber. Wir haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die, die der Fürsorge würdig sind, in ein geregeltes Arbeitsleben überführt werden, um so auch den geringsten Schaden, den die Einwanderung zur Folge haben könnte, auszumerzen. Im übrigen sollen auch hier wieder die, die sonst die Verbreitung deutscher Art am lebhaftesten befürworten, nicht so inkonsequent sein, wie sie es immer sind, wenn es sich um die Juden handelt. Eines Tages, wenn die ^olitiischen und wirtschaftlichen Verhältnisse sich ge-