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Im deutschen Reich · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. 236

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1920-07-01
Page
236 (sequence 4)
Language
German
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Im deutschen Reich L3S Jugend gehen, daß Dinge in der Jugend, in der jüdischen, wie in der nichtjüdischen, sich voroereiten und zum Teil bereits in vollstem Flusse sind, die eine völlige Umwälzung der Arbeit der Jugend bedeuten. Hier geht eine Loslösung der Jugend von aller Bevormundung durch Aeltere Hand in Hand mit einer intensiven innerlichen Arbeit, die höchstes Verantwortlichkeitsgefühl erfordert und zugleich bezwecken soll. Es lohnt sich für jeden Aelteren, sich mit diesen Geschehnissen zu befassen, und es erscheint uns dieses Pflicht für alle diejenigen, die ein gemeinsames Arbeiten der Aelteren mit der Jugend erreichen wollen. Denn nur dann, wenn man diese Vorgänge in der Jugend erkennt und sie zu verstehen trachtet, wird man heute den Weg zu gemeinsamer Arbeit finden. Es darf aber auch von der jüdischen Jugend, die in diesem Sinne arbeitet und von einem wundervollen Streben erfüllt ist, nicht verkannt werden, daß allein diese Arbeit, die sie gemein hat mit der nichtjüdischen Jugend, nicht imstande ist, die Gegensätze auszugleichen; denn auch in der nichtjüdischen Jugend, die in den gleichen Problemen lebt, besteht die Gegnerschaft gegen alles Jüdische. Die Bestrebungen in der „Freideutschen Jugendbewegung", die Auslassungen in ihrem Organ können keinen Zweifel darüber entstehen lassen, daß man hier nur auf völkischer Grundlage, das heißt unter Ausschluß und zum Teil auch unter Bekämpfung der Juden arbeiten will. Darüber sich hinwegzutäuschen, wäre ein schwerer Fehler. E s m u ß v i-e lmehr auch in unserer Jugend, mögesie im übrigen arbeiten, w!ieesihr zweckmäßig erscheint, der unbeugsame Wille bestehen, diese Gegnerschaft n i e d e rz u r ing en. Nur wenn ungestörte äußere Lebensbedingungen geschaffen sind, kann die innere Arbeit frei von allen Hemmungen geleistet werden. . - In der antisemitischen Agitation dieser Tage hat eine besondere Bedeutung das O st jud e n pr o b l e m gehabt. Man war stets schon hoch erstaunt, wenn man hörte, was alles die geringe Anzahl der deutschen Juden getan haben sollte, aber noch vielmehr war man verwundert, wenn man nun in antisemitischen Auslassungen und Reden las oder hörte, welch ungeheure Gefahr diese Ostjudeneinwanderung bedeutete. Die - Dinge pflegten so dargestellt zu werden, als ob alle Not, in der wir uns im Augenblick befinden, ein Ergebnis dieser Einwanderung sei. Auch belegten die antisemitischen Agitatoren ihre Behauptungen mit Zahlenangaben, in denen sie gar nicht wählerisch waren, denn die von ihnen genannte Zahl der allein in Berlin Eingewanderten schwankte zwischen 80 000 und 400 000!

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