Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. 235

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1920-07-01
Page
235 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316900-2316907--31281-2357695
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

235 Zeitschau s ch a f t hat bereits vor wenigen Tagen einen solchen Beschluß gefaßt. In biie trübsten Zeiten Rußlands, in denen dort in der Behandlung der jüdischen Bevölkerung die Prozentnorm Trumpf war, glauben wir uns zurückversetzt! Es ist nicht nur die judenfeindliche Gesinnung, die wir in Liesen Entschließungen aufs höchste bedauern und bekämpfen, sondern es ist der völlig verdrehte Geist der Freiheit, die völlige Verkennung der universalen Bedeutung aller Wissenschaft, die sich hier ausspricht. Einstmals waren wir Deutschen stolz darauf, daß unsere Wissenschaft die Welt durchstrahtte. Heute bringen es unsere Deutschvölkischen, die am lautesten sonst über die Behandlung seitens unserer Gegner zetern, fertig, auch noch unsere Wissenschaft, die uns unsere bisherigen Feinde wenigstens ungeschoren gelassen haben, von sich aus mit schweren Ketten zu behängen,^an denen sie sich zu Tode tragen muß. Man macht sich kaum einen Begriff von dem Umfang dieser antisemitschen Verhetzung innerhalb der Studentenschaft, wenn man nicht einmal gesehen hat> wie diese jungen Menschen den antisemitischen „Heroen" zujubeln. Einer der zugkräftigsten antisemitischen Schaumschläger ist heute Herr I) r. Arthur D i n t e r , rühmlichst bekannt geworden durch seinen „Roman" „Die Sünde wider das Blut". Eine Reihe großer Städte des Reiches werden von ihm beglückt; in einem zweistündigen Vortrag setzt er seinen Zuhörern ein Sammelsurium von Lügen und Beschimpfungen gegen die Juden vor. Ausgehend von seinem Lieblkngsthema, daß schon das jüdische Schrifttum den Beweis der Verderbnis der jüdischen Raste in sich trage — er scheut sich dabei nicht zu erklären, daß auch die Bibel keine Ausnahme bilde —, jammert, flucht und schreit er in einem Atem über die Verseuchung des deutschen Volkes durch diese schlechten Juden. Seine Kraftstellen werden von seinen Anhängern, von denen er vorsichtigerweise eine Zahl besonders kräftiger Gestalten in seiner allernächsten Nähe ausstellt, mit jubelndem Beifall begleitet. Es ist ein Schlauspiel tiefster Erniedrigung, wenn man sieht, wie dieser Redner, bei dem man bei jedem Worte merkt, daß er nicht das geringste Bemühen hat, den Dingen auf den Grund zu gehen, der über wissenschaftliche Dinge spricht, obwohl er offen zugeben muß, daß er nicht vermittels eigener Prüfung sein Urteil sich bilden kann, die Massen beeinflußt. Man könnte beinahe an der Kraft tätiger Wiederaufbauarbeit unseres deutschen Volkes, und insbesondere der Jugend, zweifeln, wenn man das Verhalten in einer solchen Versammlung beobachtet. Wenn man die Jugend zur Mitarbeit auch für unsere Sache begeistern will, dann darf man sich allerdings darüber nicht im unklaren sein, daß heute wesentlich neue Strömungen durch die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.