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Im deutschen Reich · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. 234

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1920-07-01
Page
234 (sequence 2)
Language
German
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234 Im deutschen Reich Die Schlacht ist geschlagen. Zerrissene, vom Regen verwaschene Plakats sind im äußeren Straßenbilde als Zeichen der außerordentlichen Ansttengung zurückgeblieben. - Im Inneren macht sich eine gewisse Abspannung naturgemäß bemerkbar, die in diesem Augenblick vielleicht noch hintenangehalteu wird durch die Schwierigkeiten, die der Bildung einer verfassungsmäßigen Regierung entgegenftehen. Wie sehr die Auffassung, daß der politische Antisemitismus nur parteipolitischen Bestrebungen dient, zutrifst, das beweisen die Vorgänge, die sich im Augenblick abspielen, auf dlie einzugehen aber nicht zweckmäßig, weil die Entwicklung noch nicht beendet ist. Es scheint aber, daß, nachdem die Notwendigkeit, Anhänger zu gewinnen, stark in den Hintergrund getreten ist, auch bei denen, die bislang immer nur von verjudeten und von Juden geleiteten und verführten Parteien redeten, die Absicht nicht fernlregt, mit Liesen „Juden und Judengenossen" — wie der schöne technische Ausdruck lautet — zusammen zu arbeiten. Es könnte das wieder einmal beweisen, wie sehr die Antisemiten geneigt sind, ihr nicht immer sehr sauberes Mäntelchen nach dem Winde zu hangen. Als treue Vorkämpferin aller antisemitischen Agitation hat sich in diesen Zeiten die I u g e n d bewährt. Es ist schon mehrfach an dieser Stelle aus die besondere Gefahr hingewiesen worden, die darin besteht, daß unseren Gegnern eine Jugend zur Verfügung stehtsidie den Willen hat, sich mit ihrer ganzen Kraft und ganzen Begeisterung der antisemitischen Agitation hinzugeben. Die a k ad e m i s ch e I u g e,n d, aus der heraus sich die geistigen und politischen Führer unseres Volkes entwickeln sollen, geht noch immer auf diesem Weg mutig voraus. Der außerordentliche Studententag in Dresden, der vor einigen Wochen stattgefunden hat, hat zwar gnädigst gestattet, daß den deutschen jüdischen Studenten, die vor dem 1. August 1914 die Staatsangehörigkeit in einem deutschen Bundesstaate besessen haben, das Wahlrecht zu den Studentenversammlungen zuzubilligen sei. Fürwahr, eine hohe Gunst, die uns hier zugestanden worden ist. Man achte darauf, daß nur bei den jüdischen Studenten diese Maßnahme Platz greift, nicht etwa bei nichtjüdischen Studenten. Also eine Ausnahmebestimmung in klarster Form! — Der ordentliche S t u d e n t e n ta g, der für Ende Juli nach Güttingen einberufen wird, hat ebenfalls auf seine Tagesordnung die Judenfrage gesetzt, und zwar sowohl hinsichtlich der Professorenschaft wie hinsichtlich der Hörerschaft. Es besteht offenbar die Absicht, die Zulassung der Juden sowohl als Dozenten wie als Studenten nur entsprechend der Prozentzahl der Juden an der Gesamtbevölkerungzuzulassen. DieKönigsbergerStudenten-

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