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Im deutschen Reich · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. 231

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Article
Professor Droogstoppel
Date
1920-07-01
Page
231 (sequence 10)
Language
German
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Professor Droogstoppel 231 Leipzig, Dieser, übrigens ganz unwissende, Verfasser verschiedener SchmäbscbrifLen gegen das A. T. wurde im Jabre 1910 wegen Gotteslästerung zir acht Tagen Gefängnis verurteilt.. Jetzt hat er in diesem Buche nachträglich seine „wissenschaftliche" Rechtfertigung gefunden. In der Niedrigkeit des Tones steht es denn auch aufderselben Stufe wie diese Literatur, und das will etwas heißen. Zur Kennzeichnung genügt schon eine einzige wahrhaft niederträchtige Bemerkung. Er macht den Juden zum stärksten Borwurf, daß sie nach dem Exil nicht nach Palästina zurückgekehrt, sondern freiwillig in Babylonien geblieben sind. Das sei ein nicht aözuwaschender Schandfleck aus der Geschichte des jüdischen Volkes, es enthülle gleichzeitig in nacktester Weise dessen ureigentlichen Charakter, es habe sich damit mit vollkommen klarem und bewußtem Willen das Kainszeichen eines „unsteten und flüchtigen", eines vaterlandslosen.oder internationalen Volkes aufgedrückt, und so zetert er noch eine ganze Weile. Sie blieben nämlich in Babylon, „einzig und allein angelockt durch die in dem unermeßlich reichen babylonischen Lande sich barbierenden unbegrenzten Möglichkeiten raschen und leichten Gelderwerbes (ü ö l i ch e r Z i n s f u ß 20 P r o z e n t)". In keinem Munde kann dieser Vorwurf (über dessen Grundlagen ich mich nicht verbreiten will) unangebrachter sein, als in dem eines Deutschen. Millionen von Deutschen sind in den Zeiten politischen und wirtschaftlichen Druckes nach Amerika ausgewandert; als sich aber die Einigung ihres Vaterlandes vollzogen hatte und es mächtig und groß geworden war, ist es diesen Millionen und ihren Kindern und Enkeln nicht eingefallen, zurückzukehren, sondern sie sind ganz ruhig in dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten geblieben (üblicher Zinsfuß — ich weiß augenblicklich nicht, wieviel Prozent). Uebrigens gesteht er selbst zu, daß er sein Buch veröffentlicht habe, um in Tagesfragen einzugreifen. Schon Ostern 1914 wares in allen wesentlichen Punkten druckfertig abgeschlossen. Er veröffentlichte es damals nicht, weil er seinen Inhalt immer von neuem zu überdenken bestrebt war (mit welchem Erfolge, haben wir gesehen— hätte er.die Zeit wenigstens benutzt, um seinen schlechten Stil zu verbessern!) und bÄd danach der Krieg ausbrach. Nach Beendigung des Krieges zögerte er abermals, weil ihm unser armes Vaterland genugsam durch „Fragen" aller Art durchwühlt schien, um auch die jüdische Frage von neuem anzuregen. Und warum hat er es nun doch veröffentlicht? Weil in den letztvergangenen Monaten zwei Aufrufe erschienen waren, nach denen er nicht länger warten zu sollen glaubte: einer des Komitees „Pro Palästina"" und einer des „Arbeitsausschusses für Volksauskläruug des Volkskrastbundes". Also dieser Professor hatte nichts davon gemerkt, daß sich seit über einem Jahre ehre Hetze gegen die Juden erhoben hatte, die au Giftigkeit und Gefährlichkeit alles Frühere hinter sich ließ, daß das ganze Land mit antisemitischen Büchern, Zeitschriften, Flugblättern in Millionen von Exemplaren überschwemmt wurde, daß sich über ganz Deutschland Vereine, Bünde und Organisationen verbreitet hatten, die direkt oder indirekt aus Raub und Totschlag an den Juden aus-

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