Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Article
- Professor Droogstoppel
- Date
- 1920-07-01
- Page
- 230 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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m Im deutschen Reich ihr denn das?) Unser moroser Professor aber versteht natürlich Leinen Spaß und so notiert er griesgrämig: „die von den Kundschaftern betonte Kleinheit und Schwächlichkeit der israelitischen Männer gegenüber den Eingeborenen des L-mdes". Eben hatte er sich doch über die „unglaublichste" Leichtgläubigkeit Josuas gegenüber seinen Kundschaftern entrüstet, und nun glaubt er selber den Kundschaftern Moses die allerunglaublichsten Dinge?! Wenn schließlich die Eroberung nicht vollständig war und die Bibel Gott dennoch einmal sagen läßt (2148), daß die Eroberung' nun abgeschlossen, die Feinde besiegt, seien und Israel Ruhe habe, so ist das keine „Unverfrorenheit" des biblischen Schriftstellers, sondern diese Bemängelung ist wieder nur ein Beweis der hoffnungslosen Verständnislosigkeit unseres Professors. An der Spitze des israelitischen Heeres waren die ganzen Jahre als Vortrupp die Stämme Rüben, Gad und halb Manasse gezogen. Unter dieser Bedingung hatte ihnen Mose das Land diesseits des Jordans, woselbst sie inzwischen ihre Familien zurückgelassen hatten, zugestanden. Nun hat der Krieg schon so viele Jahre gedauert und die Krieger sehnen sich heim nach Weib und Kind. Was tun? Eigentlich ist ja das Land noch nicht gänzlich erobert. Aber läßt das Wort nicht auch eine weitherzigere Auslegung zu? Ist nicht doch die Hauptarbeit getan? So sagt denn Gott, der eben mehr Herz hat als unser Professor, indem er sich in .die Seele der zweieinhalb Stämme versetzt — und in ihrem Sinne redet: Laß sie ziehen! Sie haben schließlich recht. Was heißt denn: Erobern? Wir hatten 1870 Elsaß-Lothringen „erobert" und hatten es 1914 noch nicht erobert. Ich breche hier ab, indem ich mir die Besprechung der beiden anderen Kapitel für eine andere Stelle Vorbehalte, falls ich den Widerwillen dagegen überwinden kann, denn das Aergste kommt erst noch. Diese Zeitschrift ist kein wissenschaftliches Organ, und das Gesagte wird ihren Lesern bereits hinreichend gezeigt haben, daß die Bekenner und Verehrer des Alten Testaments dieses minderwertige Machwerk nicht zu fürchten haben. Seinem Verfasser fehlen alle höheren Qualitäten zur Beurteilung und Würdigung Israels, seiner Geschichte und seiner Religion. Er versteht nicht genügend Hebräisch, er ist weder Historiker noch Kritiker, weder Exeget noch Theologe. Wer sich wie er mit einer Nebenwissenschast des Alten Testaments beschäftigt, kann ein nützlicher Gehilfe und selbst unentbehrlicher Mitarbeiter sein, aber mit dieser Rolle muß er sich bescheiden. Mag er weiter assyrische .Texte entziffern, — solange ihm die Seele Israels und des Alten Testaments so gänzlich verschlossen ist, tut er besser, darüber zu schweigen. Er hat so wenig darüber mitzureden, wie Herr Droogstoppel, Makler in Kaffee, über Homerische oder Goethesche Poesie. Nötig ist indessen an dieser Stelle noch ein Wort über die politische Seite des Buches. Ich habe zu Anfang gesagt, daß es offenkundig in antisemitischem Tagesmtereffe geschrieben sei. In der Tat kann niemand, daran mehr Freude haben als der Antisemitenhäuptling, Herr Theodor Fritsch in