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Im deutschen Reich · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. 228

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Article
Professor Droogstoppel
Date
1920-07-01
Page
228 (sequence 7)
Language
German
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L28 Im deutschen Reich dürfen. Jetzt ist seine Festrede nichts anderes als ein verblümtes Ansuchen um einen Backschisch: darf ich mich vorstellen als derjenige, welker? Ich bin nämlich Priester des höchsten Gottes, desselben, den za auch du verehrst usw. Und kaum hat M. sein Teil, als sich auch gleich der gierige König von Sodom meldet. Abraham aber belehrt beide, indem er auf die nobelste Weise seine Uneigennützigkeit und seinen mit M.s denn doch nicht identischen Glauben zu verstehen gibt: Ich erhebe meine Hand zu dem Ewigen, dem höchsten Gotte üsw. Abraham ist hier die Jdealgestalt. Noch weniger hat D. den Ephron, der Abraham das Feld zu einem Erbbegräbnis verkauft, durchschaut. Die Erzählung (o. 28), die von größter Delikatesse ist, zeigt Abraham als einen Mann von feinstem Takt und als das Ideal eines ebenso klugen wie würdevollen Orientalen. Ephron aber ist ein schlauer Geschäftsmann, der unter dem Schein kavaliermäßiger Gleichgültigkeit gegen den schnöden Mammon nur seine Habgier verbirgt. Er nennt schließlich den ungeheuren Wucherpreis von 400 Schekeln, und wir meinen ihn zu sehen, wie er vorgebeugt gierigen Blickes das Abwägen des Silbers verfolgt, daß nur ja jedes Stück das volle Gewicht hat! D. aber hat solche Sympathie für diesen Droogstoppe!, Mauer in Grundstücken, daß er ihn einen „wahrhaft edlen" Mann nennt, bei dem er (nicht bei Abraham!) „etwas wie Höhenluft" verspürt! Wirklich ein unvergleichlicher Menschenkenner und Interpret der Bibel. Natürlich nimmt er auch die Kanaaniter zur Zeit Josuas auf jede Weise in Schutz. Daß auch die Israeliten weder zu Moses noch zu irgendeiner anderen Zeit Engel waren, braucht niemandem außer D. gesagt zu werden. Es ist wirklich belustigend, seine Enttäuschung und Entrüstung anzuhören. Er hatte sie sich in der Jugend immer als ein Volk von Priestern vorgestellt, das in feierlicher Prozession, von einem prächtigen Heiligtum mit goldenem Altar und goldenem Leuchter begleitet, dahinzog, und nun hat er entdeckt, daß sie gar kein heiliges Volk, sondern unbarmherzige Eroberer waren. Das ist die Enttäuschung des Naturkindes, das die Männer und Frauen da vorne auf der Bühne für richtige Könige und Königinnen hielt und hinterher erfährt, daß es nur gewöhnliche Menschen wie er selber sind, und nun womöglich sein Eintrittsgeld wiederhaben will. Der reife Mensch aber folgt dem Schauspiel auch ohne diese Illusion mit nicht minderer Spannung, denn er weiß, daß alles Irdische nur ein Gleich" nis ist. Und' ein „Volk" ist niemals heilig, wie denn die „Völker" allesamt nicht viel taugen. Was nun das Verfahren der Israeliten bei der Eroberung anbetrifft, so hat sich D. selbst in eine Zwickmühle gesetzt. Einerseits muß er, um die Israeliten anzuschwärzen, sie als eine unmenschliche Mörderbande darstellen, die nicht Eine Seele im ganzen Lande am Leben lassen (Ein Blutmeer!), andererseits muß er, um Gott zu verklagen, zeigen, daß dies nicht wahr sein kann und die Dinge ziemlich friedlich und halb ergebnislos verlausen sind. Es ist wahr, daß die Bibel einen Vernichtungskamps gegen die Kanaaniter verlangt, aber es ist ebenso wahr, daß er nur in recht beschränktem Maße ausgeführt wurde. Der Nachdruck, mit dem sie ihn immer

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